Babette Dieterich | Drucken14.05.2003 

Die zwei Seelen der Blüten

Kerstin Spohler: „flower affairs”, eine Ausstellung im Westphalschen Haus, Markkleeberg

Zarte, getrocknete Blüten auf Seidenpapier, poetische Collagen, teilweise mit Schrift und Zeichnungen ergänzt. Im Nebenraum großformatige, digital bearbeitete Blumenbilder in knalligen Farben. Als erstes fällt einem der Kontrast auf, wenn man Kerstin Spohlers Ausstellung ?flower affairs? betrachtet. Die Künstlerin und Diplom-Designerin liebt die Gegensätze und zeigt diese anhand der Blumen: Zart und zerbrechlich, aber auch kraftvoll und farbintensiv. Ein Widerspruch, der sich nicht vereinbaren lässt?

Nach dem Studium an der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle in der Fachrichtung Flächen-/Textildesign beschäftigt sich Kerstin Spohler zunächst mit textilen Collagen. Sie sammelt Japan- und Seidenpapiere, die sie mit Pflanzen, Blüten und anderen organischen Materialien ergänzt. Die poetischen Collagen entstehen, teilweise an Magritte erinnernd, wenn sie getrocknete Blätter wie auf einer botanischen Schautafel beschriftet: la maison, la femme, la terre, la mer. Sie zerlegt die Blüten in ihre Bestandteile und ordnet diese symmetrisch, oft in Rasterform an. Das schafft Distanz und öffnet den Blick für Details.

Getrocknete Blüten, wie Haremsdamen hinter Seidenpapier verschleiert, reihen sich neben Kamillenteebeutel, gezeichnete weibliche Akte lehnen sich an gepresste Blätter, die Flächen werden rhythmisch strukturiert, in einzelne Bildabschnitte unterteilt. Diesen früheren Arbeiten der Künstlerin merkt man die Herkunft des Flächen- und Textildesigns an: die Aufteilung der Fläche in einzelne Segmente. Doch auch was die Materialien betrifft, zieht sich eine klare Entwicklungslinie von den frühen textilen Collagen und Bildteppichen der Künstlerin (hier nicht zu sehen) hin zu den ausgestellten Blütencollagen - besitzen diese organischen Materialien für Kerstin Spohler ebenfalls einen textilen Charakter.

Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigt sich Kerstin Spohler mit den neuen Medien. Sie besucht Lehrgänge in Mediengestaltung, Bildbearbeitung und Webdesign. Angeregt durch diese Tätigkeit entwickelt die Künstlerin seit 2002 großformatige Drucke digital bearbeiteter Blumenbilder in limitierter Auflage. Sie ermöglicht mit dieser distanziert erscheinenden Technik einen ungewohnten Blick auf das Vertraute, verändert dabei die Farben und spielt mit eigenwilligen Bildausschnitten. Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose?

Bei den digitalen Blumenbildern spielen Symmetrien und serielle Prinzipien ebenfalls eine Rolle. Eine großformatige Lilie gibt es in drei Varianten, rot, blau, gelb. Der Hibiskus schwingt seinen Reifrock vierfach im Quadrat. Wie bei den Collagen schafft Kerstin Spohler mit ihren Symmetrien und Wiederholungen Distanz, schärft den Blick für das Detail, benutzt aber auch die Symmetrien, die in der Pflanzenwelt zur Genüge vorhanden sind. Eine Rose ist ein Reifrock ist, was immer Sie sehen möchten. Lassen Sie sich ein auf die ?flower affairs?. Diese ungewöhnliche und ausdrucksstarke Ausstellung läuft noch bis 20.06.03 im Westphalschen Haus, Markkleeberg.

Kerstin Spohler: flower affairs

Ausstellung vom 08.05.03 bis 20.06.03, Westphalsches Haus, Dölitzer Str. 12, Markkleeberg

Öffnungszeiten: Di/Do 10 - 17 Uhr, Mi 10 - 16 Uhr.

Weitere Informationen zur Künstlerin und Diplom-Designerin Kerstin Spohler unter: www.i-mogen.de


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