Alessa Paluch | Drucken28.10.2007 

Menschen und Landschaften vergangener Nächte

Martin Klindtworths Foto-Ausstellung "Roxi" gibt sich melancholisch-atmosphärisch

Die Ausstellung Roxi von Martin Klindtworth zeigt Fotographien des Künstlers aus den letzten fünf Jahren. Eine relativ lange Zeit, deren Vergangenheit in der Gegenwart der Bilder eine seltsam melancholische Atmosphäre schafft. Diese Fotos sind Schnipsel vieler Nächte, mehrerer Winter und einiger Orte. Und doch könnten die Bilder auch in einer einzigen Nacht entstanden sein. In einer dieser wilden Nächte, in denen man mit dem Taxi fährt, weil es draußen verdammt kalt ist. Es könnte eine Novembernacht gewesen sein, in der warme Schuhe Not tun, auch wenn die nicht zum Outfit passen. In der man den Mantel an der Garderobe abgibt, und sich durch Tanzen wärmt. In denen der Club, die Bar und die Mitmenschen einem nicht auf die Nerven gehen, sondern man sich durch das Licht und die Hitze geschützt wie in einer märchenhaften guten Stube fühlt. Die Diskokugel erzählt sehnsüchtige Geschichten vom extravaganten Rock'n'Roll-Leben, den dazugehörigen Sex'n'Drugs, die doch immer an einem vorbeigehen. Sie erzählt von Tanz und Musik und interessanten Leuten, mit denen man die Party auf dem Sofa verquatscht. Über Dinge lacht, die die Anderen nicht verstehen können. Sich vielleicht auch gerade ein wenig verguckt in sein Gegenüber. Und als es gar zu offensichtlich wird mit dem Schwärmen, wird zum Glück der momentane Lieblingshit aufgelegt, und, ach was für ein Zufall, das ist auch des Gegenüber liebstes Stück. Man geht den nächsten, ja den entscheidenden Schritt und tanzt die schärfsten Moves und gibt den Rockstar mit dem Pappinstrument. Wenn der Andere einen dann immer noch anlacht, holt man seine Jacke wieder bei der immer selben Garderobenfrau ab, und muss feststellen, dass man eh schon längst gegangen sein sollte. Die Stühle sind schon hochgestellt. Und draußen ist es natürlich immer noch arschkalt. Frischer Schnee, der aussieht wie Puderzucker. Aber diese nächtliche Winteridylle beeindruckt nur kurz, die kindische Freude über das alles bedeckende Weiß wird bald umschlagen in zitterndes Frieren und kalte Füße, die eh schrecklich wehtun, von den Schuhen und dem wilden Tanz. Die Blasen werden am nächsten Tag verarztet und der gesamte Körper geschont. Dieser der Nacht folgende Tag wird in den bequemsten Sachen in der eingeheizten Wohnung verbracht. Und abends wird vielleicht wieder ein Taxi bestellt und ausgegangen. Falls es nicht wieder anfängt zu schneien.

Martin Klindtworth: Roxi
Fotografieausstellung
Tschau Tschüssi
27. Oktober bis 31. Dezember 2007
Fotos: Martin Klindtworth / spezialproduktion.de
www.tschau-tschuessi.de

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