Anna von Arnim | Drucken05.08.2005 

Glück als politische Mission

Anleitung zum Glücklichsein? - Eine Buchbesprechung von Richard Layards "Die glückliche Gesellschaft"

"Glück muss das Ziel der Politik werden", ist der Vorschlag des Wirtschaftwissenschaftlers Richard Layard. In seinem Buch: "Die glückliche Gesellschaft. Kurswechsel für Politik und Wissenschaft" definiert er das Glück der Menschen als Lösung der politischen Misere. Untertitel und Vorwort versprechen eine Anleitung zur besseren Politik- zumindest Hinweise und Tipps für ein bürgernahes Regieren in der Zukunft.

Layards Ausgangsfrage ist, warum die Menschen trotz Wohlstandssteigerung nicht glücklicher geworden sind. Zunächst versucht er, den Leser zu überzeugen, dass dieser mehr Geld zur Verfügung hat als je zuvor. In der Folge zeigt er wissenschaftliche Möglichkeiten auf, Glück messbar zu machen, und erläutert Tabellenangaben, nach denen das durchschnittliche Glücksempfinden beim Sex höher ist als beim Hüten der eigenen Kinder und das Beisammensein mit Freunden befriedigender ist als die Zweisamkeit mit dem Partner. Schließlich diskutiert er, was Glück ist. Er kommt zu dem Schluss, dass Geld allein nicht reicht und stellt einige Glücksfaktoren zusammen.

Dem politischen Leser bleibt nur, zwischen den Zeilen nach den versprochenen Hinweisen für eine zukünftige Politik zu suchen. "Wir sind dann bereit, eine Lohnkürzung hinzunehmen, wenn auch alle anderen weniger Geld bekommen" - sieht so eine bürgerfreundliche Arbeitsmarktpolitik aus, die sich durchsetzen könnte? Kann die Erkenntnis, dass der Arbeitskollege einen Misserfolg haben muss, damit man selbst glücklich ist, ein Miteinander gestalten?

Mit der auf den letzten Seiten formulierten "Agenda des Glücks" fordert der Autor finanzielle Unterstützungen für Psychiatrien sowie ein Verbot von Werbung für Kinder unter 12 Jahren. Notwendigkeiten finden sich: wie zum Beispiel die Reduzierung der Arbeitslosenquote und die Bekämpfung der Armut in der "Dritten Welt". Der Bezug zu Politik und Wirtschaft allerdings bleibt in dem 260 Seiten starken Werk merkwürdig nebulös. Der Leser wälzt sich durch unzählige Definitionen von Glück und Unglück und verliert sich spätestens in Layards Prognose, zukünftig wirkungsvollere Drogen nehmen zu können als Heroin und Kokain.

Wer also um den Tisch der Neuerscheinungen schweift, sollte nicht nach dem als politikwissenschaftliches Buch angebotenen Werk greifen. Es entpuppt sich als "Ratgeber zum Glücklichsein" und entwirft ein anthropologisches Menschenbild, das selbst Schröder bekannt sein dürfte.

Richard Layard: Die glückliche Gesellschaft. Kurswechsel für Politik und Wissenschaft
Campus, 2005, 19,90 €

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