| Drucken19.02.2004 

Buchbesprechung: Horst-Peter Hesse: Musik und Emotion. Wissenschaftliche Grundla­gen des Musik-Erlebens (Christoph Sramek)

Horst-Peter Hesse: Musik und Emotion. Wissenschaftliche Grundla­gen des Musik-Erlebens. Springer-Verlag Wien, New York 2003.
212 Seiten, mit 17 Abbildungen, Personen- und Sachregister sowie einem umfangreichen Literaturverzeichnis

Faszinierende Datenautobahnen und höchst komplexe Vernetzungen von Informationenssystemen finden sich nicht nur in modernen Industrie-Gesellschaften, sondern auch im Menschen selbst. Allein die aneinandergereiht gedachten Nervenbahnen des menschlichen Gehirns ergeben eine Länge von rund 500.000 Kilometern, so berichtet Horst-Peter Hesse in seinem neuesten Buch.

Um grundlegende Wirkungsweisen der Musik auf die Steuerungsmechanismen des gesamten Organismus klarer zu fassen, beschreibt der Autor die Aufnahme, Übertragung und Auswertung akustischer Daten vom Passieren des Ohrs bis zu Reaktionsweisen zwischen verschiedenen Hirnregionen und erläutert von hier aus Zusammenhänge mit Hormon- und Immunsystem unseres Körpers. Dabei gelingt dem an der Universität Mozarteum in Salzburg arbeitenden Forscher ein interessanter interdisziplinärer Einblick in Wissenschaftsgebiete wie Physiologie, Psychologie, Soziologie, Musikgeschichte und Ästhetik, so dass jeweils bekannte Fakten in neuem Licht erscheinen und der erstaunlich hohe Anteil der Musik an der ontogenetischen und phylogenetischen Entwicklung des Menschen deutlich wird.

Vor allem durch die synthetische Überschau über einst konträr diskutierte Hörtheorien und durch die Orientierung auf künstlerische Gestaltqualitäten beim Erfassen der Musik sind biologische Konstanten greifbar, die die Sinnhaftigkeit bestimmter Ton- und Dauernordnung auf frappierende Art belegen. Trotz aller Prägungen der Musik auch durch sich wandelnde Verhaltensformen der Gesellschaft gibt die Publikation zu erkennen, dass musikalische Grundstrukturen mit diesen physiologisch-psychologischen Invarianten in Verbindung stehen und sich daher etwa musikgeschichtliche Leitlinien sowie musiktherapeutische Strategien auf bestimmte Fixpunkte gründen lassen. Die dadurch angeregten Überlegungen freilich weisen auf wichtige Potenzen dieser Veröffentlichung, die sich erst im jeweiligen Fachgebiet entfalten können.

(Christoph Sramek)

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