Tobias Prüwer | Drucken31.03.2011 

Lösen Facebook & Co. die Stammtische ab?

Das Büchlein „Bierzelt oder Blog?“ fragt nach den Veränderungen der „Politik im digitalen Zeitalter“

Schicken sie uns eine Webcam.
Sabine Christiansen zur Bundestagswahl '09


Ob man mit der materiellen Aufrüstung der öffentlich-rechtlichen Medien die BürgerInnenbeteiligung an Wahlen wirklich anheben kann, wie Sabine Christiansens Aufforderung suggeriert, oder sie einfach null Ahnung von neu(er)en Medien hat, sei dahingestellt. Fakt ist, dass insbesondere die Bundestagswahl 2009, angefeuert durch den polarisierenden wie technologisierten US-Wahlkampf, mit Lippenbekenntnissen zur digitalen Kampagne gespickt war. Einige meinten sogar, eine Art Politik 2.0 erahnen zu können. Damit ist es aber nicht weit her, meint Andreas Elter im kleinen, aufschlussreichen Analyseband Bierzelt oder Blog? Darin nimmt er das Web-2.0-Verhalten der Parteien in den Blick und schaut, ob und wie viele Menschen sich über diesen medialen Kanal mobilisieren ließen.

Insgesamt betrug die Wahlbeteiligung mit 70,8 Prozent knapp sieben Prozent weniger als 2005 und auch Elters Fazit sieht er nüchtern aus. Zumeist haben sich die Parteien des WWW und seiner Möglichkeiten nur auf eine Weise bedient: Die Inhalte, die auch anderswo schon transportiert wurden, sind auch hier noch einmal ausgesendet worden. Die Kommunikationsinhalte sind also lediglich ein weiteres Mal digital gespiegelt worden. Interaktive oder virale Ansätze konnten kaum ausgemacht werden. In der Regel wurden nur ohnehin schon mit der jeweiligen Partei Sympathisierende angesprochen, Unschlüssige oder gar NichtwählerInnen wurden nicht erreicht. Die Gründe hierfür sind aber nicht allein in der zurückhaltenden Kampagnenarbeit der Parteien zu suchen, sondern liegen auch in der Bevölkerungsstruktur: Noch immer sind maßgeblich Menschen bis 24 Jahren in den Angeboten des Web 2.0 unterwegs.

Blog und Bierzelt werden also zunächst als Mobilisierungsmittel erhalten bleiben, so lässt sich nach Andreas Elters detaillierter Analyse folgern. Die Politik wird sich weiterhin aller Kanäle bedienen, aber noch nicht explizit Extraformen wie interaktive Kampagnen starten. Ähnliches scheint sich auch im derzeitigen „Superwahljahr“ abzuzeichnen. Wirklich nach außen gehen die Parteien digital nicht. Und nur selten stolpert man mal über ein schlechtes Youtube-Video. Und das ist ja eigentlich ganz gut so. Nur die NPD ging mit der Veröffentlichung ihres internen Email-Verkehrs in der taz und anderen Medien einen mutigen wie ungewohnten Schritt.

Andreas Elters: Blog oder Bierzelt? Politik im digitalen Zeitalter

Hamburger Edition

2010 Hamburg

139 S. – 12 €


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