Steffen Kühn | Drucken30.07.2011 

Kohärente Architektur

Der Band „maa at work“ präsentiert die Arbeiten der Genfer Architekten meier + associés architectes

Oft verbindet man die Architektur der Schweiz mit Reduktion und Abstraktion und läuft so Gefahr, am Wesen dieses Schaffens vorbeizuschießen, da diese Begriffe zu allgemein und unverbindlich sind. maa at work bestätigt dieses Gefühl, weil es dem Schweizer Architekturschaffen auf den Grund geht. Die schokoladenbraune Monografie glänzt mit hervorragenden Essays zu meier + associés architectes. Den Beginn bilden Baustellenfotos: „at work“ meint hier wirklich „on the ground“ und nicht wie viele Architekten es als „in the office“ verstehen würden. Immer wieder taucht das Wort Kohärenz auf, im Zusammenhang mit Architektur eine im deutschen Sprachraum selten genutzte Vokabel, aber genau hier liegt das Wesen des Schaffens von meier + associés architectes und im weiteren Sinne auch der Schweizer Architektur. Nachvollziehbare Gedankengänge führen zu gestalterischen Aussagen, die immer unmittelbar mit dem Ort im Zusammenhang stehen. In wunderbaren Fotografien wird das Schaffen des Büros vor uns ausgebreitet – auf die Totale folgt das Detail, hierin liegt das Besondere des Büros. Die Semantik der großen Form überträgt sich in die Materialität und ins Detail. Interessant dabei ist die Betonung von Querschnitten und Schnitten. Kontinuierlich kontrollieren meier + associés architectes die im Entwurfsprozess generierten Formen anhand von unzähligen Schnitten, besonders exemplarisch dabei ist die Brücke über die Rhone Les Evonettes, ein roter massiver Betonkörper, der gemäß dem Momentenverlauf seine Querschnitte ständig verändert.

Die Texte sind alle sehr qualifiziert, Aussagen Jean Nouvels werden der Arbeitsweise meier + associés architectes gegenübergestellt. Das ist eine Monografie, die den Diskurs sucht, die prozesshaft angelegt ist und nicht dem Reflex verfällt, subjektiv und damit formal angreifbar das eigene Werk verkaufen zu müssen. maa at work vermittelt Architektur als einen gedanklichen Prozess, der sich um das „Wozu“ und nicht in das „Warum“ von konzeptionellen Ansätzen bewegt. Als kohärente Architektur könnte man das bezeichnen, als eine Wesenhaftigkeit in der Lösungssuche selbst. Die Frage der eigentlichen Form und Materialität tritt da erst mal sehr weit zurück.

Architekturgalerie Luzern (Hrsg.): maa at work

Projekte von meier + associés architectes

Niggli

Sulgen – 2011

304 S. – 54 Euro


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