Janna Kagerer | Drucken14.04.2011 

Jäger und Gejagte

Simon Beckett hat einen neuen Fall für Dr. David Hunter – bleibt aber zu geradlinig

Verwesung – so lautet der deutsche Titel des jüngsten Werkes von Bestseller-Autor Simon Beckett. Es ist der vierte Fall, den sein Protagonist, der forensische Anthropologe Dr. David Hunter, zu lösen hat. Diesmal verschlägt es ihn mit Dartmoor an einen Schauplatz, der wie geschaffen ist für eine unheimliche Atmosphäre. Und wie in allen seinen Büchern gelingt es dem Autor, eine solche Atmosphäre mit einer sprachstilistischen Mischung aus Detailverliebtheit und knappen Sätzen zu schaffen.

Die Schilderung des „Drumherum“ – zusammen mit der lebendigen Beschreibung und Charakterisierung der Personen – ist in Verwesung allerdings das Gelungenste. Die Geschichte nimmt sich diesmal größtenteils etwas zu gradlinig aus und kommt mitunter arg trivial daher. Während in Chemie des Todes, Kalte Asche und Leichenblässe die Leser auf raffinierte Weise an der Nase herumgeführt werden, sind die überraschenden Wendungen bei Verwesung ziemlich leicht vorhersehbar.

Beckett scheint in seinem jüngsten Werk bewusst mehr Wert auf die Handlung als auf die Auflösung zu legen. Jäger und Gejagte im Hochmoor, Rettungsaktionen in verlassenen Minen, die Suche nach versteckten Leichen – das ist beinahe mehr Abenteuerroman als Thriller. Die Beziehung zwischen den Protagonisten David und Sophie nimmt viel Raum ein; einen Tick zu viel, was leider zu einigen Längen führt. Interessant dagegen ist, dass der Roman acht Jahre vor der eigentlichen Gegenwartshandlung einsetzt und die Vergangenheit Hunters näher beleuchtet. Vom Tod seiner Frau und seiner Tochter, die in den anderen Büchern stets angerissen werden, wird den Lesern erstmals genauer erzählt.

Fazit: Verwesung reicht zwar nicht an die anderen Hunter-Fälle heran, ist aber dennoch ein lesenswerter Thriller, der unter die Haut geht. Wer die anderen noch nicht gelesen hat, sollte dies aber vorher tun, möglichst in chronologischer Reihenfolge. Denn leider gehört Beckett zu den Autoren, die wesentliche Details vorheriger Fälle in späteren Büchern verraten. So erfährt der Leser von Leichenblässe und Verwesung einen wichtigen Aspekt der Auflösung von Kalte Asche. Übrigens sind aber die Krimis um Dr. Hunter gar nicht das Beste von Beckett – sein Meisterwerk ist der Roman, der in Deutschland unter dem Titel Obsession veröffentlicht wurde.

Simon Beckett: Verwesung

Wunderlich

2011 Reinbek

444 S. – 22,95 €


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