Beate Hennenberg | Drucken18.06.2003 

Barock an der Elbe

Ein Band für alle, die Dresden ohne die Schäden des Hochwassers sehen wollen

Bekanntermaßen machen die allermeisten Touristenbusse, die in den deutschen Osten zwecks Kulturtourismus kommen, in Dresden Station. Der barocke Glanz und das katholische Gloria dieser imposanten Stadt am Elbufer, von Johann Gottfried Herder "deutsches Florenz" genannt, haben bereits Franz Grillparzer 1826 veranlasst, den Flecken dort als "gebildetes Land" zu identifizieren. Die Bildung der Dresdner, unterteilt in die dort Geborenen und in die seit 1990 Zugezogenen, wäre eine eigene Studie wert, in vorliegendem Buch geht es jedoch um die Kunststadt, die durch all die Jahrhunderte als Gesamtkunstwerk angesehen wurde.

Sieht man von den grauenvollen Fehlplanungen der DDR-Zeit ab, über die jedoch in diesem Buch elegant hinweg gesehen wurde - etwa die drei benachbarten Hotels der Prager Straße, besser bekannt als die Drei Schnarchkombinate. Diese Bausünden lässt Frank Richter außen vor, und so offenbart sich uns in jenem Prachtband eine in seinen markanten Stadtzeichen fast südlich-katholisch anmutende Stadt. Mit jener atemberaubenden Stromsilhouette, mit der von Gottfried Semper erbauten Oper, mit der Hofkirche, der Galerie mit ihren berühmten Sammlungen italienischer und spanischer, niederländischer und deutscher Kunst. Auch die Orgel in der Frauenkirche, das letzte Werk des berühmten Gottfried Silbermann, die 1945 gerettet werden konnte, erhält ein wohlplatziertes Bild.

Vermutlich ließen sich die baulichen Missgeschicke der Nachwendezeit nicht so gut ignorieren - die gelbe Bankfiliale vor dem futuristischen Haus des Buches an der Prager Straße spricht Bände. Noch zwei Bemerkungen: Wenn schon das nahe Pillnitz einen Blick wert war, so hätte man auch die märchenschöne Sächsische Schweiz mit dem Elbsandstein festhalten können. Und es verwundert, dass diese Hymne auf Dresden gerade in einem bayerischen Verlag erscheinen musste. - Wer die Dresdner Altstadt noch einmal ohne Hochwasserschäden betrachten möchte, sollte sich wohl diesen Band kaufen.

Frank Richter, Dresden. Mit einem Essay von Günter Jäckel
Verlag Rosenheimer, Rosenheim 2002

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