Fabian Stiepert | Drucken19.06.2013 

Zwei wie Pech und Schwefel

Arno Camenischs „Fred und Franz“ beweist eindrucksvoll, was alles auf wenigen Seiten in der deutschsprachigen Literatur so möglich ist

Wie ist es eigentlich um die Schweizer Gegenwartsliteratur bestellt? Eine Frage, die man sich ruhig einmal stellen darf, wird es doch – mit Verlaub – durchaus ab und an ein wenig schwierig, bekanntere Schweizer Autoren zu nennen. Immerhin schaffte es Peter Stamm in diesem Jahr auf die Shortlist des International Man Booker Prize. Hätte er ihn gewonnen, stünde er nun in einer Reihe mit Philip Roth und Alice Munro. Verdient gehabt hätte er es. Doch Lydia Davis erhielt den hochdotierten Preis.

Nun bietet die Schweiz aber noch weit mehr an Literatur als die grandiosen Romane und Erzählungen des Peter Stamm. Was vielleicht nur wenige wissen: Es gibt sogar eine Schreibschule in Biel, die man sich wie das Leipziger Literaturinstitut vorstellen kann. Einer der Bieler Absolventen ist Arno Camenisch und sein neuestes Buch Fred und Franz ist ein großes Lesevergnügen. Die beiden namensgebenden Protagonisten sind dabei jedwedem literarischen Formalismus enthoben (Ist dieses Buch nicht doch fast schon ein Roman?) und können auch keiner erzählten Zeit irgendwie historisch zugeordnet werden. Ein gelegentlicher Blick der beiden Taugenichtse auf ihr Handy lässt auf die Gegenwart schließen.

Fred und Franz durchleben auf knapp 80 Seiten 24 verschiedene Szenarien, in denen sie essen, trinken und über die Frauen und das Leben räsonieren. Die Stimmungsklaviatur wird dabei von heiter bis melancholisch bedient, um es mit den Worten Gerhard Polts zu sagen, es ist „fast wia im richtigen Leben“. Seien wir doch mal so verallgemeinernd wie ehrlich: Fast jede Männerfreundschaft besteht daraus, sich bei einem mehr oder weniger guten Tropfen über Frauen und das Leben zu unterhalten. Camenisch ist mit seinem simplen (aber vom Sound her schwierig herzustellenden) Erzählprinzip ein kurzweiliges Stück Literatur gelungen, in dem man auch ganz wild und beliebig drin herumlesen kann. Denn man wird in diesem Kleinod immer einen klugen Gedanken finden.

Arno Camenisch: Fred und Franz

Verlag Urs Engeler

Solothurn 2013

80 Seiten – 17 Euro


Kommentar hinzufügen

 
Fügen Sie hier Ihren Kommentar ein:
 
 
 

* Pflichtfeld

 

Tipps

Peer Gynt

Am 28. Dezember um 19.30 Uhr kommt es am Schauspiel Leipzig zur Wiederaufnahme von Henrik Ibsens "Peer Gynt" in der Inszenierung von Philipp Preuss.

Weihnachtsmotette

Die Weihnachtsmotette mit dem Thomanerchor in der Thomaskirche, am Sonntag, 24. Dezember, beginnt um 13.30 Uhr. Der Eintritt kostet 2 Euro und ist am Kircheneingang zu bezahlen.

EXTRAS

Out of Leipzig

Berichte aus der Hauptstadt und dem Rest der Welt

Jugend-Almanach

Die Extra-Rubrik für junge Autorinnen und Autoren

Friedrich-Rochlitz-Preis

Rückblick auf den Friedrich-Rochlitz-Preis für Kunstkritik 2015. Das nächste Mal findet der Schreibwettbewerb 2017 statt.

Lyrik & Prosa

Gedichte und Erzählungen im Leipzig-Almanach

Mitglied werden

Der Leipzig-Almanach braucht Ihre Unterstützung, damit er auch weiterhin nicht kommerziell bleibt. Werden Sie Vereinsmitglied! Als Dankeschön erhalten Sie einen Kinogutschein.

Newsletter

 

Registrieren Sie sich für den Newsletter des Leipzig-Almanach