Tobias Prüwer | Drucken12.03.2009 

Gute Nacht, weiße Pracht!

"Grind The Nazi Scum" ist eine kleine Erbauungslektüre gegen den rechten Rand in den Subkulturen

Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig; ob sie hungern, frieren, bettnässen, schlecht träumen usw., geht mich nichts an. Was mich an ihnen interessiert, ist nur eins; daß man sie hindert, das zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert, das zu tun, was sie eben tun.
Wiglaf Droste: "Mit Nazis reden"

Dass sich junge Neonazis schon lange nicht mehr nur beim Skinheadlook bedienen, sondern sich auch durch Klau aus anderen Subkulturen lächerlich machen, ist längst kein Geheimnis mehr. Dabei versuchen sie auch besonders in jene so genannten vorpolitischen Räume wie Musikszenen zu durchdringen. Davor ist leider auch der Grind-Core- und Death-Metal-Bereich nicht von vornherein gefeit. Um dem braunen Ungeist etwas entgegen zu setzen - und sei es nur ein Zeichen -, wurde 2001 das Festival Grind The Nazi Scum (GTNS) aus der Taufe gehoben. Es ist damit eines der wenigen Metal-Festivals, die klar Flagge beziehen. Und sich gegen Verharmlosungen stellen ? la Musik habe nichts mit Politik zu tun.

Zu GTNS ist eine kleine Anthologie erschienen. Die hier versammelten Texte drehen sich mal in Prosaform, mal als Gedicht allesamt um den braunen Komplex. Da sind autobiografische Fragmente, die von der Konfrontation mit dem Geschmeiß berichten, sei es direkt-physisch oder bei der Verhinderung von Demonstrationen, manche Beiträge geben sich eher aufklärerisch. Es gibt kleine Fiktionen von Nazis als Haustieren, einem Neonazizoo oder einem Stern, der die Forderung "Nazis raus!" endlich praktisch werden lässt. Mal wird die Ideologie zum Thema, mal die Gewalt - und manchem entspringt der Wunsch, denen einfach mal auf die Fresse zu geben. Besonders hübsch ist eine Text über den Bürgermeister eines Fleckens namens B-Dorf, der sich den Ruf der Gemeinde nicht dadurch ruinieren lassen möchte, nur weil ein paar Einheimische mit "Fidschis" aneinander geraten seien. Eine Schlägerei könne schließlich immer mal passieren. Und überhaupt: "In B-Dorf gibt es keine Nazis." - Erschreckende Aktualität angesichts des Mügelner Dorfschulzen, der auch den zweiten bekannt gewordenen Angriff auf Nichtdeutsche als Lappalie abwehrt und von Nazis in der Gemeinde nichts wissen will.

Ein Buch gegen Nazi? - Natürlich, man wird dem (Neo-)Nazismus mit flotten Storys nicht beikommen. Aber gerade in rauen Zeiten braucht man auch mal etwas fürs Gemüt und zur Erbauung. Und dafür ist der Band wie anständige Mucke mehr als gut:
Nazi punks,
Nazi punks,
Nazi punks,
Fuck off!
Napalm Death

Sven Augstein (Hg.): Grind The Nazi Scum
Edition PaperOne
Leipzig - 2008
187 S. - 11,95 €
www.editionpaperone.de

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