Fabian Stiepert | Drucken14.07.2015 

Strahlemann ein Leben lang

Thomas Gottschalk legt mit „Herbstblond“ seine Memoiren vor. Ein angenehm unkonventionelles Promi-Buch

Man könnte, wenn es um Thomas Gottschalks Autobiographie geht, zuerst bei sich selbst anfangen. Als Mensch, der die frühen Neunziger bereits relativ bewusst mit erlebt hat, erinnert man sich an das Gottschalk-Feeling am Samstagabend. Man lag im knapp schulpflichtigen Alter ewig in der Badewanne und freute sich danach auf einen Fernsehabend ganz unter der Ägide des großen Blonden in den schrägen Outfits. Man neigte sogar zur frühkindlichen Ungeduld, wenn die Wartezeit auf die cheesige Intro-Musik von „Wetten, dass …?“ durch irgendeine stinkendlangweilige Vorabendserie im ZDF bis ins Unerträgliche ausgedehnt wurde.

Aber das sind nun wahrlich Tempi passati. Das wissen wir alle und das weiß auch Thomas Gottschalk selbst. Trotzdem ist es nur schön, gut und richtig, dass Gottschalk – mittlerweile im Rentenalter von 65 Jahren angekommen – seine Memoiren verfasst hat. Was auffällt an Gottschalks wie immer rhetorisch versierter und diskreter Schreibe, ist die gedankliche wie inhaltliche Zweiteilung. So erfahren wir im ersten Teil von Herbstblond Gottschalks Lebensgeschichte und wie er vom Kulmbacher Lausbub zum beliebtesten TV-Gesicht avancierte. Im zweiten Teil nähert er sich größeren Begrifflichkeiten wie Familie, Glück, Ruhm und Geld und verbindet diese Betrachtungen mit kleinen, heiteren Anekdoten aus dem internationalen Showbiz.

Mag sein, dass Herbstblond keine Skandälchen zu bieten hat. Trotzdem ist die Lektüre dieses Buches ein kurzweiliges, diebisches Vergnügen, eben weil Gottschalk als verlorener Sohn der Germanistik wortgewandter kaum sein könnte und damit mitreißend zu erzählen versteht, auch wenn es in manchen Kapiteln inhaltlich eher dünn bis flach zugeht. Obwohl Herbstblond in seiner ständigen Selbstreferenzialität ein unendlich eitles Buch ist, bringt einen die „Conclusio“ dieser knapp 350-seitigen Biographie wieder ganz auf die Seite ihres Autors. Denn Gottschalk hatte stets Glück und war bei aller Wurschteligkeit immer zum rechten Augenblick an der richtigen Stelle. Ob man ihn dafür so fürstlich entlohnen muss, wie es zuletzt durch die Medien ging, sei dahin gestellt. Die lobenden Worte des großen Botho Strauß auf dem Buchrücken und die vorderen Ränge der Spiegel-Bestsellerliste hat er sich aber allemal verdient.

Thomas Gottschalk: Herbstblond

Heyne Verlag

München 2015

368 S., 19,99 €


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