Steffen Kühn | Drucken07.11.2013 

Unbeirrbar in den Wirren der Zeit

Ein amerikanischer Gesellschaftsroman: John Williams' „Stoner“

John Edward Williams (1922–1994) genießt seit der Wiederveröffentlichung von Stoner eine hohe Aufmerksamkeit in den USA. Mit einem Werk von zwei Gedichtbänden und drei Romanen kann man ihn als Außenseiter bezeichnen. Williams lehrte fast 30 Jahre an der University of Missouri in Denver.

Stoner weist einige Parallelen mit dem Leben John Edward Williams auf: William Stoner, als Sohn eines Farmers geboren, verbringt nach dem Studium der Literatur, Agrarwissenschaft hatte er davor studiert und abgebrochen, sein ganzes Berufsleben als Professor an der Universität. Nachdem in einer Art Erweckung seine Leidenschaft für die Literatur entflammt ist, ordnet sich sein ganzes Leben dieser Liebe unter. William Stoners genügsames Leben mit und für die Literatur ist der Rahmen für einen amerikanischen Gesellschaftsroman. Im Privaten illustriert seine Ehe die puritanischen Verhältnisse der USA vor, während des und nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Liebesaffäre mit einer jungen Doktorandin bringt kurzzeitig etwas Glanz in das verklemmte Gefühlsleben. Gesellschaftlich entwickelt sich William Stoner schnell zu einem kauzigen Faktotum an der Universität, der politischer Intrige und persönlichen Eitelkeiten schutzlos ausgesetzt ist. Wie William Stoner das alles erträgt, ohne seine Leidenschaft und damit sein Menschsein zu gefährden, ist die eigentliche Botschaft des Romans.

Dieses ruhige unaufgeregte Leben des William Stoner verläuft unbeirrbar durch die Wirren der Zeit. John Edward Willams Sprache und die fabelhafte deutsche Übersetzung von Bernhard Robben erzeugen einen ruhigen Strom, des sich Einlassens, des Mitschwebens. Man lebt, liebt und leidet mit William Stoner und nebenher erlebt man die amerikanische Gesellschaft um die Mitte des 20.Jahrhunderts.

John Williams: Stoner

Aus dem Englischen von Bernhard Robben

DTV – München 2013

352 S. – 19,90 €


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