Christoph Sramek | Drucken02.04.2015 

Zwischen Seelendrama und Schicksalsmotiv

Der Leipziger Musikwissenschaftler Malte Korff hat eine umfangreich recherchierte Biografie über Tschaikowsky geschrieben, die Lust auf sein Werk macht

Pünktlich zum 175. Geburtstag von Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893) ergänzt der Leipziger Musikwissenschaftler Malte Korff seine populär ausgerichteten Publikationen über Johann Sebastian Bach (2000), Franz Schubert (2003), Wolfgang Amadeus Mozart (2005), Johannes Brahms (2008) und Ludwig van Beethoven (2010) durch ein Buch über den großen russischen Komponisten. Hinter dem schlichten Titel Tschaikowsky. Leben und Werk verbirgt sich ein relativ umfangreich angelegter Spannungsbogen zum Schaffen des berühmten Musikers, bei dem sich biografische und künstlerische Vorgänge auf ganz einzigartige Weise durchdringen und über Ton- und Textdokumente erstaunlich klar erhellen lassen. Mit feinem Gespür für die Lebensart des Meisters und einem tiefen Verständnis für dessen Werke entfaltet der Autor über zwölf chronologisch ausgerichtete Kapitel einen leicht verständlichen Zugang zu Tschaikowsky, sodass beim Lesen immer wieder ein starkes Bedürfnis zum Hören von dessen Werken hervorgerufen wird.

Korff wählt aus seinen umfangreichen Recherchen vorrangig der deutschsprachigen Fachliteratur gerade jene Fakten aus, die sich mit der Musik auf überzeugende Weise in unmittelbaren Zusammenhang bringen lassen und dadurch zu eigener intensiverer „Entdeckungsreise“ beim Erleben von Balletten, Opern, Sinfonien, programmatisch ausgerichteten Orchesterstücken und Kammermusik anregen. Einerseits verstärkt sich diese Orientierung auf die Musik durch plastisch herausgearbeitete Entstehungsumstände, Aufführungsbedingungen und Reaktionen des Publikums wie der Presse, und andererseits gibt Korff als erfahrener Dramaturg eigene Hinweise zu Inhalt und Form der wichtigsten Kompositionen. Diese direkten Hörhilfen lassen sich durch ein Werkregister am Ende des Buches auch rasch nachschlagen.

Um die Authentizität der Aussagen zu erhöhen und zugleich eine sprachlich-stilistische Vielfalt ins Spiel zu bringen, greift der Autor oft auf Zitate zurück, ohne die Leser mit ausgreifenden Quellennachweisen aufzuhalten. Da Malte Korff zudem eigene literarische Ambitionen in den Textfluss einzubringen vermag, die an seine Komponistennovellen von 1997 erinnern, gelingt ihm eine gut lesbare, informative Darstellung, die die unterschiedlichen Ebenen „Zwischen Seelendrama und Schicksalsmotiv“ (wie er sein Buch auf der Rückseite des Umschlags nennt) organisch miteinander verwebt. Kleine Ungenauigkeiten bei Zahlenangaben, die vom Lektorat übersehen wurden, lassen sich einfach erkennen. Die komplexen Beziehungen Tschaikowskys vor allem zu seiner Brieffreundin Nadeshda von Meck oder auch in Bezug auf seine tragische, vorschnell geschlossene Ehe werden ebenso genau, detailliert und differenziert dargelegt wie Tschaikowsky Tod, der aber letztlich geheimnisvoll und vieldeutig bleibt wie die Musik selbst.

Malte Korff: Tschaikowsky. Leben und Werk

mit 15 Bilddokumenten, Zeittafel, weiterführenden Literaturhinweisen, dem Verzeichnis der wichtigsten Kompositionen und einem Personenregister

Deutscher Taschenbuch Verlag

München 2014

256 Seiten – 19,90 Euro


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