Radjo Monk | Drucken17.05.2002 

Sieben Gedichte und ein Prolog (3)

Notiz auf dem Weg zum Fährhaus

Zwei Jungbullen erheben sich aus dem Schlamm
und stehen, die geschwungenen Hörner gesenkt.
Um diese Stunde sind sie, wie die Schafe nebenan,
beschäftigt mit Wiederkäuern: Tun wir nicht ein
Gleiches, wenn wir unsere Zeit abgrasen?

Zettel fliegen mir entgegen, Chiffren
einer sich verschweigenden Landschaft
samt magischem Interieur: Ostereier
unter Apfelbäumen und Schubkarren,
der unter meinen Füßen zerfließende Fluß,
die wechselnde Bemalung meiner Seele.
Gehör ich zu denen, die mit dem Mond
gehen? Ein Techniker, der die Blüte
eingepflanzter Erinnerungen überwacht?

Notizen sind geopferte Gedanken,
du mußt sie dem Wind überlassen.
Typisch für einen Techniker: Er handelt
nach Plan und es stört ihn nicht, daß der Plan
dem Flug der Notizen folgt.

Schnee, der ins Gesicht weht, das sind die
Notizen. Es braucht die Geduld von
zehn Schrankenwärtern, mit beiden Beinen
auf der Erde zu stehen, ohne dabei
das Gehen zu unterbrechen.


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