| Drucken03.03.2002 

6. MDR-Matinéekonzert mit Korngold, von Einem, Schumann (Juliette Appold)

03. März 2002, Gewandhaus, Großer Saal

6. MDR-Matinéekonzert

GOTTFRIED VON EINEM (1918?1996)
Capriccio für Orchester op. 2

ERICH WOLFGANG KORNGOLD (1897?1957)
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35

ROBERT SCHUMANN (1810?1856)
Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 ?Frühlingssinfonie?

MDR SINFONIEORCHESTER

Solist: ANDREAS HARTMANN, Violine
Dirigent: FABIO LUISI


Musikalische Aufbruchsstimmung


Gottfried von Einems Capriccio für Orchester op. 2 wurde 1943 uraufgeführt. Mit Paukenschlag und Fanfaren beginnt das lebendige Werk, welches sowohl jazzartige als auch breit-opernhafte Züge an sich hat. Nach der gutgelaunten und nach vorn drängenden Musik des Beginns stimmt eine Klarinette mit ein, die durch ihre gleitenden Töne etwas verwegen und wie zum Tanz einladend klingt. Markante Rhythmik fädelt die mal breiten und dichten, dann wieder gedämpften und im Zwiegespräch geführten Melodien einzelner Instrumentengruppen auf eine musikalische Kette auf. Einige Momente erinnern an Strawinskys ?Petruschka?, muten manchmal fast komisch an. Da paßt auch die Klarinette, die im gesamten Werk durch hervorgehobene Partien glänzt, gut ins Bild; denn sie scheint von Zeit zu Zeit vorgegebene Motive einfach musikalisch ?auszulachen?. Die Gestaltung durch das Orchester ist agogisch und dynamisch stets stimmig. Es beschleunigt und steigert mit solcher Überzeugung, daß man das Gefühl bekommt, in einem immer schneller werdenden Zug musikalischer Capricen mitzufahren.

Die Einleitung des Violinkonzerts von Erich Wolfgang Korngold gibt dem Matinée-Konzert Wärme und Ruhe. Sich übereinander schichtende Quint- und Quartklänge sorgen für das Gefühl einer weiten, großartigen Landschaft. Der erste Satz ist passend mit ?Moderato nobile? überschrieben. Korngold, der besonders für seine Filmmusiken berühmt ist, wußte also um das Geheimnis, schöne, neue und gleichzeitig ansprechende Musik zu schreiben. Zu den warmen Streicher- und Bläserklängen fügen sich Harfentöne und Glockenspiel und lassen der Phantasie ihren Raum. Zu dem ersten Thema, das ruhig und weitläufig ist, kontrastiert das zweite Thema durch die Spritzigkeit der schnellen, oftmals spiccato gespielten, kurzen Notenwerte. Der zweite Satz, ?Romance?, wird auch durch weite Akkorde geprägt, die aus gedämpften oder gehauchten Klängen hervorscheinen. Viele leittönige Melodien werden nicht aufgelöst, was dem zweiten Satz etwas Sehnsüchtiges, Wartendes gibt. Der dritte Satz, ?Finale?, ist wieder voll von Lebendigkeit. Wie auf einem Rodeo tanzen die Melodien ergänzend zum Solopart, der mit seinen verschiedenen Bogentechniken galoppartig wirkt. Immer wieder erkennt man ein Thema, das leicht variiert den Satz prägt. Xylophon, Harfe und Glockenspiel unterstützen die positive Wirkung des Werks. Der Solist Andreas Hartmann ist seiner Aufgabe, diese großen Melodien und kleinen Feinheiten genau auszuspielen, voll gewachsen. Allerdings wünscht man ihm manchmal eine Geige mit mehr Klangvolumen; denn an lauteren Stellen kommt er mit seinem Instrument kaum gegen das große Orchester an. In solchen Momenten bringt Hartmanns Bogendruck sein Instrument gefährlich nah an die Grenze seines Klangvermögens.

Es macht Spaß, die von Fabio Luisi und dem MDR-Orchester interpretierte Schumann-Sinfonie anzuhören. Mit großer Lebendigkeit, dynamischer und agogischer Gewandtheit erklingt das Werk und ist dabei ebenso von königlichen Momenten wie von jauchzenden Gesängen erfüllt. Immer wieder lassen aufsteigende melodische Linien und Steigerungsmomente den Zuhörer nach mehr verlangen und sich an dem Gehörten erfreuen. Die Musik vermittelt ein Gefühl von frühlingshafter Aufbruchstimmung. Leicht will man sich von dieser Euphorie eines Neubeginns mitziehen lassen, was einerseits der Komposition selbst, andererseits ? und wohl mehr noch ? der gelungenen Interpretation zu verdanken ist. So gehen die Zuhörer nach dem Konzert glückerfüllt in den Sonntag.

(Juliette Appold)

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