| Drucken30.10.2003 

Eine Melodie, die bleibt

"A Tickle In The Heart" featuring Pesakh Fiszman and the "Swing & Klezmer Trio" Köln sind in der naTo

Klezmer- Musik ist die Folklore des jüdischen Volkes. Stark vom Germanischen geprägt, beschreibt sie Deutsch als einen der schönsten Dialekte im Jiddischen. Und tatsächlich konnte man auch den Geschichten von Pesakh Fiszman sehr gut folgen. Als Jiddisch lehrender Kosmopolit versteht er es aufs Beste, die Menschen für seine Muttersprache zu begeistern. Durch Reisen nach Israel wurden auch die musikalischen "Drillinge" von A Tickle In The Heart von dem klingenden Zeitzeugen angesteckt. Sie sind bei Pesakh Fiszman in die Lehre gegangen und das Ergebnis kann sich hören lassen. Das Kölner Trio sang jiddisch und pries sogar ihren Silberling in dieser Sprache an, was eine besondere Stimulation der Kauflust zur Folge hatte.
In den zweieinhalb Stunden Programm wechselten Geschichten "aus der Heimat" mit fröhlichen und teils nachdenklichen Klezmer-Weisen. Gebannt lauschten die rund 100 Zuhörer u.a. der Geschichte vom Dshabe (Frosch) und dem Holtsheker, welcher für seine Bescheidenheit reich beloht wurde und so einen schönen shabbes feiern konnte. Fiszman berichtete weiter, mit faszinierender Gestik, vom Purimfest (man feiert Purim, um sich an den ersten Versuch der Judenausrottung in der Perserzeit zu erinnern), dem Sinken der Titanic und von den Problemen der Integration in der neuen Heimat Amerika, denen Teile des jüdischen Volkes während der NS-Zeit ausgesetzt waren.
Quasi klassisch musikalisch wurden die Geschichten ausgemalt: z.B. mit Walking-Bass bei Laufszenen, kurzen Einwürfen zum Wasserplätschern, hungrigem Bass-Knurren des Bären in seiner Winterhöhle, mit einer Klarinettenmelodie zum Frühlingserwachen. Etwas außergewöhnlicher muteten da schon die Schnarcheinlagen von Pesakh Fiszman oder die "double-bass-bongo" - Perkussion auf dem Kontrabass an. Die vier Künstler waren an jenem Abend so gut gelaunt, dass sie sogar über sich selbst schmunzeln mussten.
Ein heiterer und lehrreicher Abend ging gegen 23.30 dem Ende entgegen, nicht ohne jene Melodie noch einmal erklingen zu lassen, welche den ganzen Abend begleitete. Den Text, die Menschen und die Umstände vergisst man irgendwann, aber die Melodie, die bleibt!

Das neue Album (Titel: KlezCats) ist sehr zu empfehlen, für alle Freunde des Klezmer. Die Band spielte in New York zusammen mit Ray Musiker & Howie Leess, neue und alte Kompositionen (u.a. von Goldenstheyns & Beregovskis). Insgesamt fast 80 min tolle Musik, nicht mehr so viel Swing wie früher, dafür ist die Musik traditionsbewusster geworden. Kein Wunder, bei so hochkarätiger Besetzung! Im Booklet sind auch noch die Tanzschritte erklärt.

A Tickle In The Heart featuring Pesakh Fiszman

Pesakh Fiszman - jiddischer Geschichtenerzähler (aus New York)

Swing & Klezmer Trio Köln:

Thomas Fritze - Kontrabass
Bernd Spehl - Klarinette
Andreas Schmitges - Gitarre

30. September, naTo

Kommentar hinzufügen

 
Fügen Sie hier Ihren Kommentar ein:
 
 
 

* Pflichtfeld

 

Tipps

Neues italienisches Kino

Das Filmfestival "Cinema! Italia!" zeigt vom 19. bis 25. Oktober in den Passage-Kinos Leipzig neue italienische Produktionen im Original mit deutschen Untertiteln. Mehr Infos unter www.cinema-italia.net.

DOK Leipzig wird 60

In diesem Jahr haben 113 Filme ihre Welt- und internationale Premiere auf dem Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, das vom 30. Oktober bis 5. November zum 60. Mal stattfindet.

EXTRAS

Out of Leipzig

Berichte aus der Hauptstadt und dem Rest der Welt

Friedrich-Rochlitz-Preis

Rückblick auf den Friedrich-Rochlitz-Preis für Kunstkritik 2015. Das nächste Mal findet der Schreibwettbewerb 2017 statt.

Lyrik & Prosa

Gedichte und Erzählungen im Leipzig-Almanach

Jugend-Almanach

Die Extra-Rubrik für junge Autorinnen und Autoren

Jetzt Mitglied werden!

Damit der Leipzig-Almanach nichtkommerziell bleibt, brauchen wir Ihre und Eure Unterstützung. Jetzt Vereinsmitglied werden! Als Dankeschön gibt es einen Kinogutschein.

Newsletter

 

Registrieren Sie sich für den Newsletter des Leipzig-Almanach