Beate Hennenberg | Drucken17.06.2003 

Das Leben im Werk

Alexander L. Ringer: Noch eine Gesamtdarstellung Arnold Schönbergs

Noch eine Gesamtdarstellung Arnold Schönbergs? Ja, denn diese betrachtet das Schicksal des Menschen Schönberg mittels seines Werkes, bringt einen neuen Blickwinkel in die Schönberg-Forschung. Gerade auch für die österreichische, denn man kann dem Land sehr wohl eine avancierte Beschäftigung mit dem in Wien geborenen Komponisten bestätigen. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang das Arnold Schönberg Institut der Universität für Musik und das Arnold Schönberg Center mitten im Herzen der Stadt mit seinen kontinuierlichen Sonderausstellungen.

Alexander L. Ringer sah in Arnold Schönberg nicht nur den Komponisten, dem man sich unter musikwissenschaftlichen Fragestellungen zu nähern hatte, sondern, da er ihn als "durch und durch ethisch gesinnt" erkannte (nach Albrecht Riethmüller), näherte er sich von vielen anderen Ebenen auch. Daher ist in diesem Buch sehr viel von Dichtung und Malerei, von Religion und Pädagogik die Rede, die einen großen Teil des Schönbergschen Schaffens einnahmen. Ringer, geboren 1921, erlebte seine frühe Jugend in Berlin zu einer Zeit, als Arnold Schönberg dort als Leiter einer Meisterklasse für Komposition unterrichtete. Wie jener war er Jude. Wie jener musste er nicht nur Deutschland, sondern Europa verlassen, und lebte in Amerika, wo er nie richtig heimisch wurde. Seit 1958 lehrte er dort an der University of Illinois in Urbana-Champaign, kurz vor Erscheinen des Buches ist er verstorben. Über 50 Jahre seines Lebens beschäftigte sich Ringer mit der Person und dem Werk Arnold Schönbergs.

In Kapiteln wie Vergangenheit und Zukunft, Klang und Farbe, Melodie und Linie, Harmonie und Kontrapunkt, Zeitoper als Intermezzo, Religiosität oder Schönberg als Amerikaner sucht er nach dem "Wieso" und "Warum" im Schönbergschen Leben als Künstler. Interessant vor allem das Kapitel über den Pädagogen Schönberg, der die Lehre als Sozialreform ansah, der mit ungeheurem Engagement zur Sache ging, dem die Kunst nicht vom Können, sondern vom Müssen kam.

Thomas Emmerig, der das Entstehen des Buches betreute, betont in seinem Nachwort die große Sorgfalt im Detail und die unerhörte Sensibilität im sprachlichen Ausdruck. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Alexander L. Ringer: Arnold Schönberg. Das Leben im Werk

Verlage J. B. Metzler; Bärenreiter, Stuttgart; Weimar 2002.

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