Steffen Kühn | Drucken30.10.2002 

Ein Lichtblick

Ein authentisches Kunsterlebnis mit Black Sea Trio & Saadet Türköz in der naTo

Schon die Ansage durch Jens-Paul Wollenberger, Connewitzer Urgestein, läßt Außergewöhnliches erahnen. Mit typisch hyperernstem Gestus werden die vier Musiker angekündigt. Eine kasachische Nomadin (Gesang), ein ungarischer Percussionist, das Saxophon aus Bulgarien und nicht zuletzt ein usbekischer Krimtatar (Gitarre).

Zu Beginn ist Saadet Türköz in einigen Liedern solo zu erleben. Abseits westeuropäischer Selbstbezogenheit erleben wir die Schönheit kasachischer, aserbaidschanischer und anatolischer Folkloresongs. In völliger, sozusagen bildgewordener Konzentration benutzt Türköz die ganze Kraft ihres Körpers zur Artikulation. Zur Fremdheit der Musik kommt die Individualität Türköz´: Weglassungen, Übersteigerungen - das Spektrum reicht von Waits bis von Otter.

Doch noch ist Steigerung versprochen: Die Musiker des Black Sea Trios - laut Veranstaltungsflyer "drei der besten (Jazz-) Musiker Osteuropas" - erfüllen alle Erwartungen. Mit unglaublicher Virtuosität und Lust an Improvisation groovt es durch die gut gefüllte naTo. Ähnlich wie bei Türköz´ Musik ist der Ausgangspunkt traditionelle Folklore. Enver Izmailov reicht über weite Strecken eine Gitarre allein nicht aus, Kornel Horvath bearbeitet mit seinen Händen die unmöglichsten Gefäße, Anatoly Vapriov, Saxophon, läßt sich mit seinen Improvisationen noch am ehesten in einen Jazzkontext einordnen. Die Stimme Saadet Türköz´, mitunter etwas zurückhaltend, ergänzt und bereichert das Ganze mit ihren tiefen Lagen.

Die Faszination des Abends liegt wohl in dem Gefühl etwas ?Echtes? erlebt zu haben. Ein wahrer Lichtblick in der durch Sparzwänge gebeutelten Leipziger Szene.

Black Sea Trio & Saadet Türköz

30. Oktober 2002, naTo

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