Dagmar Paetzold | Drucken09.05.2002 

Das Bachfest 2002

Werke des französischen Motettenmeisters De Lalande in der Leipziger Thomaskirche

Ganz im Gegensatz zu dem am Vorabend erklungenen Pasticcio "Les Divertissements de Versailles", das vom Ensemble Les Arts Florissants galant und heiter in Szene gesetzt wurde, widmeten sich Les Pages de la Chapelle Royale und La Grande Ecurie et la Chambre du Roy am Folgeabend in Gänze der französischen Sakralmusik von de Lalande. Drei der insgesamt 13 Grands Motets aus der Zeit vor 1683 wurden unter der Leitung von Jean-Claude Malgoire dargeboten ("Audite céli", "Deitatis majestatem" und "Quam quorum").

Trotz der Tatsache, daß laut Programmheft neben den Motetten von de Lalande auch solche von Campra erklingen sollten, erwies sich das in sich gekürzte Konzert (das dem Publikum bedauerlicherweise auch de Lalandes Wettbewerbsmotette für den Sous-Maitrés "Beati quorum" vorenthielt) als musikalischer Gewinn für das Bachfest. De Lalande - ein in Deutschland zu Unrecht kaum im Konzertprogramm präsenter Komponist - vereint in seinen den lateinischen Psalmen bzw. dem alttestamentarischen Bibelwort verpflichteten Grands Motets eine Fülle kompositorischer Möglichkeiten. Sind die einzelnen Sätze ihrerseits schon durch einen unermeßlichen Variantenreichtum in der ständig wechselnden Verbindung von Instrumental- und Vokalstimmen differenziert, so steigert sich dieses stringente Moment noch durch große melodische Schönheit und textillustrierende, kühne Harmoniefügungen. Neben einer unabhängigeren Orchestrierung zeugen auch die ausgearbeiteten Solopassagen und die zunehmend polyphone Chorbehandlung gleichsam vom hohen Anspruch an die kompositorische Anlage.

Leider übertrugen sich die vielschichtig subtilen Klangqualitäten, die vom Chor Les Pages et les Chantres de la Chapelle und dem Orchester La Grande Écurie et la Chambre du Roy in musikalisch eindringlicher Weise umgesetzt wurden, aufgrund der leicht überakustischen Räumlichkeit nicht ganz auf den Hörer, was bedauerlicherweise besonders die Wirkung der großen polyphonen Chöre beeinträchtigte. Dabei konnte gerade auch die solistische Besetzung (Salomé Haller: Sopran / Damien Guillon: Altus / Howard Crook: Tenor / Hervé Lamy: Tenor / Alain Buet: Baß) der musikalischen Qualität dieses Abends Rechnung tragen. In zunehmendem Maße überzeugte ihr Vortrag über die einzelnen Solopartien hinaus in den zahlreichen kleinen, solistisch besetzten Ensembles.

Bachfest 2002

Chor- und Orchesterkonzert mit Les Pages et les Chantres de la Chapelle, La Grande Écurie et la Chambre du Roy unter Jean Claude Malgoire

Michael-Richard de Lalande - Premiers Grands Motets

09.05.2002 Thomaskirche

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