Lieselotte Tempel | Drucken11.05.2002 

Schön und doch blaß

Zum Bachfest: Chor- und Orchesterkonzert mit Werken von Cherubini und Mendelssohn

Am 11. Mai 2002 boten der Chorus Musicus Köln und Das Neue Orchester Köln unter der Leitung von Christoph Spering in der Thomaskirche in Leipzig ein Konzert, das zwei sehr verschiedene Werke enthielt: Luigi Cherubinis Requiem in c-Moll, aus dem Jahr 1816 und Felix Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik zu Jean Racines biblischem Drama Athalie.

Um es vorweg zu nehmen: Die künstlerischen Leistungen aller Beteiligten waren gut und überzeugend. Christoph Spering führte Chor und Orchester klar und ausgewogen, so wie es die Akustik der leider nicht ganz vollen Thomaskirche erforderte. Auch die vier Solistinnen der Schauspielmusik, Anna Konrondi (Sopran), Sabina Martin (Sopran), die für die erkrankte Romina Noack eingesprungen war, Ann Hallberg (Alt) und Barbara Ochs (Alt), gefielen durch ihre wohlklingen, sich angenehm mischenden Stimmen. Dirk Schortemeier sprach die verbindenden Texte, die den Inhalt des Schauspiels Racines für den Zuhörer nachvollziehbar machten.

Die künstlerische Leistung machten den Abend zu einem schönen Konzerterlebnis. Wenn das Konzert in der Erinnerung dennoch schnell verblaßte, lag das an den gewählten Werken. Das Requiem von Cherubini scheint seinen Ort doch eher in einem katholischen Trauergottesdienst zu haben als im Konzert, zumal wenn der "Konzertsaal" eine evangelische Kirche ist, noch dazu eine, die als eines der wichtigsten Zentren protestantischen Kirchenmusikpflege gilt. Ein solches Werk, dessen Komponist sein musikalisches Herkommen aus der frühromantischen französischen Oper auch in der Kirche nicht verleugnet, lebte besser im Verbund mit seiner Liturgie. Zwischen einigen opernhaft-effektvollen Passagen hat das Werk viele Längen. Als "Ouvertüre" zu der darauf folgenden, abendfüllenden Athalie war es zu lang, als Kontrast zu blaß.

Ungleich frischer und jugendlicher kam Mendelssohns Schauspielmusik daher. Das Schauspiel vom Ende der Baalsdienerin Athalia, die als Königin über Juda herrschte (Könige 2, 11) gilt als der Höhepunkt des Schaffens von Racine. Mendelssohn komponierte seine Musik dazu anläßlich einer Aufführung in Berlin 1845. Das Schauspiel bietet sich für eine Verbindung mit Musik an. Es besitzt durch den Einsatz des Chores als Stimme des jüdischen Volkes opernhafte Züge. Mendelssohn nutzte die sich ihm darbietenden Möglichkeiten, um in bewährter kompositorischer Manier dem dramatischen Geschehen musikalischen Ausdruck zu verleihen. Der Chor stellt allein oder im engen Verbund mit den Solostimmen die Gefühle des bedrängten, unsicheren Volkes dar, daß mit dem rechtmäßigen König und den Priestern die Götzenanbeterin vernichten will und schließlich triumphiert.

Zwischen den musikalischen Sätzen sind für den Sprecher Texte eingefügt, die den Zusammenhang des Schauspiels für den Konzerthörer herstellen. Mendelssohn unterlegt diese Texte instrumental, so daß die musikalischen Mittel noch um melodramatische Passagen erweitert werden. Neben der Ouverture hat er ein weiteren effektvollen Orchestersatz komponiert, den berühmten Kriegsmarsch der Priester. Er läßt Bilder vor dem geistigen Auge des Zuhörers entstehen, die sich gut auf einer großen Opernbühne ausnehmen würden. Ein Werk mit durchaus dramatischen Elementen also und dabei typisch für Mendelssohn. Seine Werke haben einen hohen Wiedererkennungswert. Trotz der teils grausamen und blutrünstigen Handlung des Schauspiels Racines ist Mendelssohns Musik niemals anders als angenehm und schön. Sie verletzt nicht - aber sie beeindruckt auch nicht.

Bachfest 2002

Das Neue Orchester Köln
Chorus Musicus Köln
Leitung: Christoph Spering

11. Mai 2002, Thomaskirche

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