Kati Zappek | Drucken09.05.2002 

Reflections in Jazz

Johannes Schenk & Friends, feat. Charlie Mariano sind beim Bachfest 2002

Der letzte Abend in dieser Reihe zum diesjährigen Bachfest stand ganz im Zeichen von Saxophon und Klaviertrio. Dabei gruppierten sich um Charlie Mariano, den "Weltbürger im Universum der Klänge" (Bert Noglik), Johannes Schenk am Piano, Gregor Lindemann am Kontrabass und Roland Höppner am Schlagzeug. Es zeigte sich sehr schnell, dass alle vier Musiker gleichberechtigt agierten, der alte weise Mann am Saxophon mitnichten die anderen zu dominieren suchte. Und gerade das machte diese Formation aus und spricht für die Klasse eines Charlie Mariano, der auch einen kompletten Song lang hingebungsvoll schweigend auf seinem Stuhl verbringen konnte. Er, der 1923 Geborene, über Boston und New York bis nach Bangalore in Indien Gereiste, vereint die verschiedensten Stilrichtungen: Swing, Bebop, freie Improvisation und Rockjazz; darüber hinaus integrierte er, lange bevor es den Begriff Weltmusik gab, Einflüsse aus anderen Musikkulturen.

An diesem Abend des 9. Mai 2002 stand die Musik der vier ganz im Zeichen von Johann Sebastian Bach. Ein Bachscher Ohrwurm jagte den nächsten und wieder einmal war klar: Der große Meister hat Melodien für die Ewigkeit geschrieben. Johannes Schenk, der sowohl mit Kirchenmusik als auch mit Jazz spielend umzugehen vermag, ließ die Melodien fließen und versetzte das Publikum in wahren Bach-Jazz-Zauber, wobei er durch sein präzises und gleichzeitig gefühlvolles Spiel zu beeindrucken wusste. Bachs Stücke (u.a. Air aus der Orchestersuite Nr. 3, Choralvorspiel "Ich rufe zu dir Herr Jesu Christ") waren niemals nur Notbehelf, sondern sie waren substantieller Ausgangspunkt für jedes Stück. Bachs Kompositionen wurden zum Teil 1:1 übernommen und wundervoll organisch in die Jazz-Improvisationen überführt. Relativ freie Teile wechselten mit festen, vorgearbeiteten (vom Notenblatt gespielten) ab, und doch wirkte nichts konstruiert.

Alles in allem zeigten die Musiker Freude am Spiel und wahre Lust an der Auseinandersetzung mit Bachscher Musik. Ein guter Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Bach: Reflections in Jazz

9. Mai 2002, Spizz

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