René Granzow | Drucken07.06.2002 

Rhythmus-Revolte

Das Berlin/New York Projekt: Ein Gershwin/ Weill Abend mit Meret Becker

Die Posaune röhrt, die Klarinette quiekt vergnügt, die Tasten des Klaviers klimpern durcheinander. Die drei Instrumente verbrüdern sich zu einer Rhythmus-Revolte, sie füllen den Raum mit Tönen, die einem fremd und vertraut zugleich erscheinen. Mitten in dem musikalischen Kaleidoskop eine Frauen-Stimme, mal schrill, mal melancholisch, mal forsch und mal weinerlich.

Am 7. Juni 2002 spielten im großen Saal der Schaubühne Lindenfels die Musiker Daniel Schnyder, David Tayler und Kenny Drew jr. auf, drei Künstler mit außergewöhnlicher Leidenschaft. Vor drei Jahren fand sich das Trio zusammen und tourt seitdem erfolgreich durch die ganze Welt. Das Konzert war bis auf den letzten Platz ausverkauft, die Stimmung festlich, die Erwartung des Publikums kaum noch zu steigern.

Die Musiker hatten sich für ihr Programm Songs von Gershwin und Weill vorgenommen, Songs die man kennt und liebt, die in den Ohren liegen und die man so schnell nicht mehr los wird. Zusätzlich wurden noch eigens von Schnyder für das Trio geschriebene Kompositionen aufgeführt. Dabei war das Ziel des Programms, wie er, der Kopf des Ensembles, sagte, klassische Elemente mit Jazz zu verbinden. Die Grenzen zwischen ihnen sollten überwunden, vermischt werden. Dieser musikalische Cross-Over ist für den Jazz-Laien manchmal etwas provokant, aber trotzdem mitreißend. Besonders bei den Gershwin-Stücken legten sich die Musiker ins Zeug. Es war phantastisch zu erleben, wie sie sich gegenseitig anspornten, wie die Klarinette die Posaune antrieb und das Klavier beide wieder zurückholte. Selten bekommt man Künstler zu Gesicht, die in dieser Art mit ihren Instrumenten verschmelzen - ein phänomenales Trio.

Als "special guest", als musikalischer Höhepunkt, wurde Meret Becker eingeladen. Die "Berliner Göre", um deren musikalisches Talent man nicht erst seit ihrer CD "Noctambule" weiß, passte hervorragend in das Programm. Neben den Klassikern von Kurt Weill, zum Bespiel aus der "Dreigroschen-Oper", präsentierte sie dem Publikum das eine und andere frivole Gedicht von Bert Brecht. Und auch sie bewegte sich spielerisch zwischen den Genres. Sie hat das Talent, Töne zu produzieren, von denen man nicht einmal weiß, dass es sie gibt. So interpretierte sie beispielsweise einen Song mit Hilfe einer singenden Säge. Vor allem aber ist sie ein Augenschmaus auf der Bühne, mal schelmenhaftes Mädchen und mal Grande Dame, Verführerin und Kupplerin. Und gerade darum gelang das Miteinander, die Interaktion zwischen den Beteiligten an diesem Abend so hervorragend.

Man kann sich nur wünschen, dass die Schaubühne in Zukunft weitere Konzerte dieser Art veranstalten wird.

Klarinette, Saxophon, Flöte: Daniel Schnyder
Piano: Kenny Drew jr.
Posaune: David Tayler

Gast: Meret Becker

7. Juni 2002, Schaubühne Lindenfels

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