| Drucken28.02.2002 

Conrad Bauer – Soloposaune (Nico Thom)

Conrad Bauer - Soloposaune

Hör mal, ein Denkmal!

Conrad Bauer solo, das ist schon ein Erlebnis! Nicht nur, daß er zu den bekanntesten europäischen Jazzmusikern der zweiten Generation gehört, er hat im besonderen Bedeutendes für die internationale Wahrnehmung des ostdeutschen Jazz geleistet. Posaunisten verehren seine Platten wie Heiligtümer und recht eigentlich gehört er wirklich heilig gesprochen, denn sein Spiel inspiriert vielleicht schon die Engel auf ihren Engelsposaunen.

Dieser Mann und sein Instrument ? das ist ein Synergie-Effekt. Die Ästhetik des Anblicks allein ist schon die Arbeit eines Aufsatzes wert. Die schlichte Eleganz seiner äußeren Erscheinung - schlanke Gestalt, lange weiße zum Zopf gebundene Haare und schwarze Garderobe - ergänzt und komplettiert sich mit der formschönen Posaune. Und wenn dann aus dieser Verbindung Musik entsteht...

Conrad Bauers Liebe zu seinem Instrument ist in jedem gespielten Ton hörbar. Er ist ein Meister der Zirkularatmung und des Multiphonic-Spiels. Über einen gehaltenen Posaunenton singt er einen weiteren, der ebenfalls die Soundqualität der Posaune gewinnt und spielt mit den Kombinationstönen des geblasenen und gesungenen Tones. Auf diese Weise entstehen Akkorde respektive Klangflächen, die Joachim-Ernst Berendt als ?stehend bewegt? beschrieben hat.

Überhaupt ist Bauers Musik immerfort in Bewegung. Sein flüssig gespielter Free Jazz hält sich nicht mit statischen Klängen auf, sondern spaziert rhythmisierend umherschweifend durch den Harmonikwald und pickt hier und da phrasenhafte Harmoniepilze auf, die mal wohlschmeckend, mal giftig sind. Bauer bedient sich mitunter liveelektronischer Hilfsmittel, um sein ohnehin schon farbenreiches Spiel noch auszubauen.

Er spielt ein Loop, zeichnet es auf, spielt ein weiteres darüber, usw. usf., bis ein knackiges Posaunenorchester von der Bühne herunterschallt, dem sich dann der Solist Conrad Bauer hinzugesellt. Verblüffend ist seine Didgeridoo-Imitation; schließt man die Augen, so könnte man meinen den Sound des australischen Urinstruments zu vernehmen.

Selbst wenn das Konzert nach eineinhalb Stunden kein Ende gefunden hätte, ist davon auszugehen, daß Conrad Bauer noch mehr Tricks und gute Musik in petto gehabt hätte. Das gnädige Publikum entließ ihn jedoch nach zwei für ihn kräftezehrenden Zugaben in die sternenreiche Nacht.

(Nico Thom)

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