Michael Wehren | Drucken19.08.2006 

Und manchmal großer Pop

Das Kammerflimmer Kollektief im Lindenfels Westflügel zu Gast in Leipzig

Wenn es schön ist, was man hört, und es gleichzeitig knarzt, quietscht oder rauscht, hat das Kammerflimmer Kollektief den Spagat geschafft. Dann vermengen sich Avantgarde, Kunsthochschule, Improvisationsmusik und Pop: mal nur ganz kurz, mal für eine scheinbare Ewigkeit.

Der Klang des Trios ist bestimmt von Harmonium (Heike Aumüller), Kontrabass (Johannes Frisch) und Gitarre, beziehungsweise Elektronik (Thomas Weber). Allerdings wirkt letztere eher dezent im Hintergrund, steuert hier ein Störgeräusch, dort einen unauffälligen Rhythmus bei. Durch den Gestus der behutsamen Aktualisierung erhält die Musik eine gewisse rustikale Note - es ist durchaus nicht falsch, ihr gerade deswegen eine melancholische Seite zuzuschreiben. Nur selten erlaubt sich die Gruppe eine Aufschichtung des Klangs zum Lärm. Wenn sie es dennoch tut, dann im Rahmen eines Ins-Fließen-Bringens, welches manchmal eben eines gewissen Maßes monotonen Lärms bedarf. Es zählt die darauf folgende, rückflutende Stille.

Bereits zum zweiten Mal gab es für dieses Rückfluten in Leipzig einen ganz besonderen Raum. Zu Gast im Lindenfels Westflügel wirkte die Performance des Trios wie in heimischen Gefilden angekommen, denn auch der im Jahre 1900 erbaute Gebäudeteil hat in den letzten Monaten jene Mischung von Modernität, Aktualität und Vernutzung geboten, die den Sound des Kollektiefs ausmacht - und die ZuhörerInnen begeisterte.

Kammerflimmer Kollektief

19. August 2006, Lindenfels Westflügel

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