Alessa Paluch | Drucken28.05.2008 

Das Treffen der Vorbands

Die 7.Pop-Up Messe in Leipzig: Diesmal nicht so sehenswert

Zum siebten Mal trafen sich die Macher und Protagonisten der - nicht nur - deutschsprachigen Indie-Szene zur PopUp, auch dieses Jahr mit eintägiger Messe, vier Podiumsdiskussionen und einem vielfältigen Konzertprogramm. Bei Letzterem musste der engagierte Musikliebhaber wohl oder übel eine Auswahl treffen, die sich dahingehend als schwierig herausstellte, dass keine der geladenen Bands so unbedingt sehenswert erschien. Das wiederum kann man den PopUp-Machern nicht vorwerfen, ist diese doch als Plattform für die Präsentation von neuen Bands angedacht. Doch der Einheitsbrei der von den Labels vorgestellten Bands scheint symptomatisch für die Konzerte, die Messe und ganz allgemein für den Zustand des Indie-Pops zu sein: Wir sehen qualitativ hochwertige und professionelle Musik, die weder spannend, herausragend noch innovativ ist. Sowohl der Eröffnungsabend in der naTo, an welchem sich The Black Atlantic und Saturday looks good to me (leider ohne das weibliche Bandmitglied) so ähnelten, dass nur die sympathische Art der Jungs im Gedächtnis blieb, als auch der Samstag Abend im UT Connewitz mit den postrockenden Windmill, I might be wrong, Jenniferever und Björn Kleinhenz zeugen für die Stilsicherheit aller Beteiligten, verlangen aber vom Rezipienten ein fachidiotisch geschultes Gehör, um Unterschiede oder gar Überraschungen zu entdecken.

Zwei Acts allerdings stechen aus der Masse der potenziellen Vorbands heraus und lassen die (PopUp doch noch ein wenig glitzern: Gustav+Band retten den Freitagabend im Frühauf mit herrlich erfrischendem Sound, elektronisch unterlegtem glasklaren Gesang und wunderbar zynisch-morbiden Texten. Am selben Abend stellten sich im Absturz die Local Heroes der "Who put the L in Leipzig"-Reihe dem (inter-)nationalen Publikum. Leider blieben aufgrund des Anspruchs, möglichst viele der hiesigen Bands vorzustellen, diesen nur jeweils eine gute halbe Stunde Zeit, sich zu präsentieren. Das Nachsehen hatten Acts, wie Marie & the Testicults oder Good Guy Mikesh.

Erfreulicherweise kommt der zweite Höhepunkt der diesjährigen (PopUp ebenfalls aus Leipzig: A Heart is an Airport, das neue Projekt des Palestar-Sängers, spielten zwar nur am frühen Abend auf der Vita-Cola-Bühne in der Halle 5, überzeugten dort aber mit ihrer unprätentiösen und trotzdem zur großen Geste neigenden Musik, die zart und trotzdem nicht emo, die musikalisch unglaublich gut und doch nicht langweilig ist. Denn leider gab es "professionell und trotzdem nicht bemerkenswert" an diesem Wochenende recht häufig zu sehen.

Währenddessen wurden in den verschiedenen Foren die vehement proklamierte Krise der Szene und Ansätze und Lösungsmöglichkeiten zum neuen Umgang mit Musik diskutiert. Im Eröffnungsforum "Local Heroes - Lokale Strukturen im Zeitalter der globalen Vernetzung" im Horns Erben lag der Fokus eigentlich auf der Frage, welche Rolle der Ort spielt, aus dem eine Band kommt, beschäftigte sich aber dann doch hauptsächlich mit der Indie-Szene in Leipzig. Und auch hier wird deutlich: Die Qualität ist nicht das Problem, eher die Vielfalt der Bands, welche Auswahl und explizite Öffentlichkeit für Booker, Labelmacher, Popjournalisten und "Konsumenten" erschwert. Dies war in den anderen Foren leicht variiert immer wieder Thema. Zwar bezeichnen die befragten Macher die neue Situation der kostenlosen und leichten Verfügbarkeit von Musik im Netz als spannende Herausforderung, doch offensichtlich scheint der Verlust des physischen Tonträgers einige Herzen der aus Leidenschaft agierenden Macher gebrochen zu haben. Man kann sich eines unbestimmten Gefühls der resignierten Verzweiflung nicht erwehren. Also heißt es wohl abwarten, bis der Verlust und die Lethargie überwunden sind. Hoffentlich geschieht das im Laufe des Jahres, auf dass die (PopUp 09 wieder spannender wird.

PopUp Messe Musik Forum

22.-25.Mai 2008

www.myspace.com/aheartisanairport
http://gustav.cuntstunt.net
www.leipzig-popup.de

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