Julia Neupert | Drucken13.04.2002 

Didupdi Dee Dee!

Die Sängerin Dee Dee Bridgewater ist im Gewandhaus

Die Vokalistinnen des Jazz liegen zur Zeit total im Trend. Sie sind auf allen Festivals präsent, sorgen für Plattenumsätze, von denen die meisten ihrer (männlichen) Instrumentalkollegen nur träumen können und füllen - auch dank glamouröser Präsenz in der Presse - riesige Konzerthallen. Normalerweise. Denn in Leipzig scheint man von diesem Boom noch nicht viel mitbekommen zu haben. Der Große Saal des Gewandhauses war am Samstagabend nicht einmal zur Hälfte gefüllt, als eine der ganz großen Jazzsängerinnen die Bühne betrat. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Dee Dee Brigdewater nicht so recht das bietet, was von den Trend-Vocal-Diven erwartet wird: hübsch verpackte Standards, gesungen mit zart-zerbrechlicher oder cool-lasziver Stimme.

Die Grande Dame des Scat hat auf ihrem neuen Album "This Is New" - eine Platte ausschließlich mit Kurt-Weill-Songs - zwar vorerst aufs Scatten verzichtet, ihrer künstlerischen Ausdrucksstärke tut dies aber überhaupt keinen Abbruch. Sie ist keine 25 Jahre alt, sondern erfahrene 52 (kaum zu glauben!) und man konnte es hören: technisch perfekt in allen Tempi, in allen Tonlagen, war sie dennoch weit davon entfernt, sich als Primadonna des traditionellen Jazzgesang zu präsentieren. Ihr Spaß an der Bühnenshow ist bekannt und spätestens das Schnips-Duett mit einem Gast der Saalempore zum Intro von Mack the Knife machte jedem Besucher klar, dass es hier nicht um inszenierte Fröhlichkeit ging - Dee Dee Bridgewater war wirklich mit Leib und Seele dabei! In den dramaturgisch geschickt zusammengestellten zwei Sets sang und kommentierte sie oft und auch weniger oft interpretierte Songs von Weill, manchmal "weill'd", manchmal sanft. Nicht eines der Stücke klang belanglos-routiniert, was sicherlich auch den hervorragenden Arrangements zuzuschreiben war (Cecil Bridgewater, Thierry Eliez).

Die Musiker der Band spielten alle höchst professionell, besonders hervorzuheben sind der Pianist Thierry Eliez - unglaublich virtuose Soli - und der Percussionist Minino Garay, der neben der Chefin sichtbar den meisten Spaß auf der Bühne hatte.

Leider gab es an diesem Abend ein großes, den Musikgenuss beträchtlich einschränkendes Ärgernis: die schlecht auf den Raum abgestimmte Soundanlage! Vor allen Dingen im ersten Set klangen die Combo-Arrangements furchtbar verschwommen und mulmig, die Bläsersätze kreischten und an Hör-Genuss war überhaupt nicht zu denken! Dass sich die Empörung des Publikums darüber in Grenzen hielt, ist definitiv einer Dee Dee Bridgewater in Bestform zu verdanken, die zum Schluss doch noch eine eindrucksvolle Kostprobe ihrer großartigen Scat-Technik gab (mit einem Charlie-Christian-Stück) und mit Standing Ovations entlassen wurde.

Dee Dee Bridgewater - Gesang
Umberto Panini - Schlagzeug
Thierry Eliez - Piano, Hammond-Orgel
Ira Coleman - Bass
Louis Winsberg - Gitarre
Nicolas Folmer - Trompete
Denis Leloup - Posaune
Daniele Scannapieco - Altsaxophon, Flöte
Minino Garay - Percussion

13. April 2002 Gewandhaus, Großer Saal

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