Frank Sindermann | Drucken12.09.2004 

Ein zwiespältiger Auftakt

Der MDR-Rundfunkchor eröffnet die Saison mit Dvoraks „Stabat Mater”

Über den Rundfunkchor des MDR lobende Worte zu verlieren mutet mittlerweile an, als wolle man die sprichwörtlichen Eulen nach Athen tragen. Der voluminöse und zugleich so edel glänzende Klang des Chores wurde in Rezensionen mehr als einmal gelobt, und die unermüdliche Erwähnung seiner beeindruckenden Homogenität kann manchmal fast ermüden. Verständlich sind diese Lobeshymnen aber allemal; denn der MDR Rundfunkchor gehört hierzulande sicherlich zu den besten professionellen Chören überhaupt. Der Nachteil solchen Ruhms: Mit dem Erfolg steigen die Erwartungen. Wo Perfektion die Regel zu sein scheint, wird sie bald als selbstverständlich vorausgesetzt.

Dvoraks Stabat Mater stellt hohe musikalische Anforderungen - nicht nur an den Chor, sondern an alle Beteiligten. Es gehört deshalb auch einiges an Mut dazu, ein solches Werk zur Saisoneröffnung aufs Programm zu setzen. Leider gelangte die jüngste Aufführung des MDR kaum einmal über ein gehobenes Mittelmaß hinaus. Die Beiträge der Solisten gerieten allenfalls technisch solide, ohne aber einen charakteristischen Eindruck zu hinterlassen (außer Herrn Dvorsky, dieser fiel jedoch eher im negativen Sinne auf). Das Orchester fand an vielen Stellen nicht recht zueinander, woran auch Luisis umsichtiges Dirigat nichts änderte. Und der Chor?

Dass die Damen und Herren des Rundfunkchores den Anforderungen der Partitur prinzipiell gerecht wurden, steht außer Zweifel. Dennoch - an diesem Abend klang manche Passage seltsam angestrengt, und der Höhe fehlte der letzte Glanz. Auch reichte der Verschmelzungsgrad der Einzelstimmen nicht immer an das übliche Niveau heran.

So schöpften an diesem Abend Chor und Orchester ihr Potenzial nur sehr bedingt aus. Dass der Chor mehr kann, hat er unzählige Male zuvor bewiesen, und das MDR Sinfonieorchester stellte seine großen Fähigkeiten bereits eine gute Woche später mit Mahlers 5. Sinfonie eindrucksvoll unter Beweis (siehe dazu die Rezension im Leipzig-Almanach).

Antonin Dvorak: Stabat Mater op. 58

MDR Sinfonierorchester
MDR Rundfunkchor

Iride Martinez, Sopran
Robynne Redmon, Mezzosopran
Miroslav Dvorsky, Tenor
Günther Groissböck, Bass

Dirigent: Fabio Luisi

12. September 2004, Gewandhaus, Großer Saal

Kommentar hinzufügen

 
Fügen Sie hier Ihren Kommentar ein:
 
 
 

* Pflichtfeld

 

Tipps

Peer Gynt

Am 28. Dezember um 19.30 Uhr kommt es am Schauspiel Leipzig zur Wiederaufnahme von Henrik Ibsens "Peer Gynt" in der Inszenierung von Philipp Preuss.

Weihnachtsmotette

Die Weihnachtsmotette mit dem Thomanerchor in der Thomaskirche, am Sonntag, 24. Dezember, beginnt um 13.30 Uhr. Der Eintritt kostet 2 Euro und ist am Kircheneingang zu bezahlen.

EXTRAS

Out of Leipzig

Berichte aus der Hauptstadt und dem Rest der Welt

Jugend-Almanach

Die Extra-Rubrik für junge Autorinnen und Autoren

Friedrich-Rochlitz-Preis

Rückblick auf den Friedrich-Rochlitz-Preis für Kunstkritik 2015. Das nächste Mal findet der Schreibwettbewerb 2017 statt.

Lyrik & Prosa

Gedichte und Erzählungen im Leipzig-Almanach

Mitglied werden

Der Leipzig-Almanach braucht Ihre Unterstützung, damit er auch weiterhin nicht kommerziell bleibt. Werden Sie Vereinsmitglied! Als Dankeschön erhalten Sie einen Kinogutschein.

Newsletter

 

Registrieren Sie sich für den Newsletter des Leipzig-Almanach