Klaus-Henning Schütt | Drucken27.11.2002 

Zu schön - Kammermusik im Sommersaal des Bacharchivs

Die großen drei: Musik von Bach, Händel und Telemann im Sommersaal des Bach-Archivs mit dem Arcangelo Trio

Duft von frischer Farbe war der erste Eindruck, als man den frisch restaurierten Sommersaal am Mittwochabend betrat. In seiner neuen Farbgebung strahlt der Raum nun wieder etwas von barocker Leichtigkeit und der angenehmen Sinnlichkeit der Zeit um 1711 aus. Dieser kleine Raum mit seiner angenehmen Atmosphäre lädt gerade zu ein, eine undistanzierte Beziehung zu der dargebotenen Musik und ihren Spielern einzugehen.

In diesen Rahmen fügte sich ein Konzert des Arcangelo Trio mit Kammermusik von J.S. Bach, G.F. Händel und G.Ph. Telemann. Musik aus der Zeit des Sommersaals von Meistern ihres Faches gespielt. Diese Erwartung kam zumindest nach der Lektüre des Programmheftes. Alle Musiker stehen in Verbindung mit den bedeutendsten Ensembles unserer Zeit, wie etwa mit dem Concerto Köln oder dem Kölner Kammerorchester. Lust auf Großes, Affektgeladenes, Intensives kam auf.

Das Trio interpretierte Sonaten für Blockflöte und Basso continuo von allen drei Komponisten. Durch technische Souveränität und ein hohes Maß an Stilsicherheit gelang ein Vortrag im Sinne der Werke. Daniel Rothert überzeugte in seinem Blockflötenpart durch Leichtigkeit, Witz und Verspieltheit, Markus Möllenbeck gestalte mit seinem Violoncello den Basso continuo zu einem echten Kontrapunkt und Gerald Hambitzer improvisierte am Cembalo seine Begleitung über diesen Bass mit einer Natürlichkeit, die keinen Zweifel aufkommen ließ. So durchzog das Programm die spielfreudige Sonate in C-Dur aus den Essercizi Musici von Telemann, Bachs blumige und introvertierte Sonate E-Dur BWV 1035 - für Altblockflöte freilich nach F-Dur transponiert - und Händels zupackende Sonate in a-Moll aus op. 4.

Die Dramaturgie war nicht nur eine programmtheoretische, sondern auch eine interpretatorische. Die angenehme Leichtigkeit des Abends verführte die Interpreten allerdings auch zu einer Leichtigkeit in der Intensität ihres Vortrages. Rasch geratene langsame Sätze verhinderten so den Zugang zu dem schmerzlichen Ernst, der ihnen inne wohnt, was ein nötiger Kontrast zu dem allzu Schönen des Abends gewesen wäre.

Ein notwendiges Gegengewicht zu der Süße der Sonaten hätte sicherlich der Vortrag des Präludium und Fuge a-Moll BWV 894 für Cembalo solo gebracht, doch es fiel leider einer Programmänderung zugunsten der Sonate BWV 1031 für Blockflöte und obligates Cembalo zum Opfer. Brachte diese Musik keine neuen Aspekte, entschädigte doch der wunderbare Klang der Voice-Flute, auf der sie vorgetragen wurde. Zwischen diese Stücke passten sich noch eine Suite in A-Dur für Cembalo solo von Händel und eine Sonate für Violoncello und Cembalo von Telemann ein.

Hambitzer und Möllenbeck agierten souverän an ihren Instrumenten und wussten deren Klangvielfalt zu nutzen. So blieb auch hier kein Wunsch offen, außer der nach größerer Intensität. Hätte dieser Abend nicht gelegentlich diesen Anflug von emotionaler Distanz gehabt, wäre es sicher ein ganz besonderer geworden, so war es ein schöner.

Arcangelo Trio

"Die großen Drei" - Werke von G. Ph. Telemann, G. F. Händel, J. S. Bach

Daniel Rother, Blockflöte
Markus Möllenbeck, Violoncello
Gerald Hambitzer, Cembalo

Mittwoch, 27. November 2002 Sommersaal des Bach-Archivs

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