Michael Wehren | Drucken16.05.2007 

Unironisch ohne Krampf

Amerikanische Folkband Backworld gibt in der Schaubühne ein exklusives Deutschlandkonzert

Alle Freunde und Freundinnen von Joseph Budenholzers Projekt dürften sich an diesem Abend massiv gefreut haben. Entscheidend für die Kritik ist dabei: sie hatten allen Grund dazu.

Für den Ottonormalhörer vielleicht ein wenig zu esoterisch sind der Bandleader und seine Mitstreiter dem Großteil der interessierten MusikhörerInnen wahrscheinlich höchstens aufgrund ihrer ehemaligen Residenz beim Vertrieb "Word Serpent Distribution" und des Songs "The Devils Plaything" bekannt. Das Konzert bewies hingegen: Inzwischen sind Backworld vor allem eines - großer Pop. So bewegende, klare Lieder sind ansonsten vielleicht noch bei Nick Cave oder David Tibets Current 93 zu finden, meistens jedoch Mangelware.

Hinzu kommt - der Mann hat Humor, erzählt später dann auch eine Geschichte, welche den Saal zum Lachen bringen wird. Und doch schmälert diese, ich würde sagen, neue Leichtigkeit nicht die Kraft oder Intensität der Musik. Besser: Backworld sind, trotz des an Nietzsche gemahnenden Titels, überhaupt nicht ironisch. Zumeist in einer Art ruhigen Sprechgesanges vorgetragen, sind ihre Lieder ebenso sublim wie melodiös, ebenso entrückt wie gegenwärtig. Zwei Zugaben, viel Applaus, schließlich kommt Budenholzer alleine, ohne Band, auf die Bühne, spielt noch zwei Lieder, dann wird es hell und der Auftritt ist beendet. Ein ziemlich perfektes Konzert, welches denkbar eindrücklich den Gang einer Band in die Oberliga dokumentiert.

Zuletzt bleibt noch zu sagen: Glückliche ZuhörerInnen und ein hervorragendes Ambiente hat die Schaubühne dem musikinteressierten Publikum in letzter Zeit ja nun schon öfters spendiert (es sei nur an das The Hidden Cameras-Konzert erinnert). Es wäre dem Leipziger Publikum mehr solcher spannender musikalischer Differenz zu wünschen.

Backworld

12. Mai 2007, Schaubühne Lindenfels

www.backworld.com


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