| Drucken27.01.2002 

Felix Mendelssohn Bartholdy – Sinfoniebearbeitungen (Marcus Erb-Szymanski)

27.01.2002 Mendelssohn-Haus
Felix Mendelssohn Bartholdy - Sinfoniebearbeitungen

Symphonie Nr. 1 c-Moll
Symphonie Nr. 5 D-Dur (Reformationssymphonie)

Fassungen für Kammermusikensemble

Theodor Toschew, Violine
Antje Nürnberger, Violoncello
Eva Sperl, David Timm, Klavier (vierhändig)

Das ?Grosse Concert? daheim oder die CD im 19. Jahrhundert

?Nach dem Konzert können Sie gern die beiden Sinfonien erhalten, wir haben sehr schöne Aufnahmen davon.? Ein freundliches Angebot des Veranstalters und was könnte man sich auch Schöneres vorstellen, als nach einem Konzert mit Mendelssohns Sinfonie Nr. 1 und seiner ?Reformationssymphonie? beide Werke auf CD wie eine Trophäe nach Hause zu tragen. Wann immer man möchte, lassen sich dann die Erinnerungen auffrischen; der Kopf zurückgelehnt, die Füße bequem auf dem Tisch.

Zu Mendelssohns Zeiten musste man sich derlei Erinnerungen härter erarbeiten. Tonkonserven gab es nur in Form von gedruckten Noten. Dafür gab es Klaviere und das in jedem guten Haushalt. Und es gab fleißige Komponisten, die Geld nicht weniger dringend brauchten als die heutigen Betreiber von CD-Verkaufsständen an den einschlägigen Veranstaltungsorten. Und weil die Menschen damals tatsächlich fleißig waren und gern ihre Erinnerungen musikalisch aktivierten, blühte der Markt mit Transkriptionen des bekannten Konzertrepertoires fürs heimische Klavier oder für hausmusikalische Kammerbesetzung.

Ein besonderer Interesse besteht heute natürlich an Sinfonien, die ein Komponist selbst für kammermusikalische Aufführungen bearbeitet hat. Gewiss tat Mendelssohn dies, um seine Kompositionen im Freundeskreis vorzustellen. Entscheidend für uns ist, dass die Werke dadurch eine höhere Qualität und Authentizität besitzen als Bearbeitungen aus fremder Hand. Aber auch sonst haben derartige ?Kammermusikauszüge? einen ganz eigenen Reiz. Denn während in originalen Kammermusikwerken die Komponisten nicht selten neue Wege gingen und schwierige Formen entwarfen, ist ein Orchestersatz oft klarer strukturiert, um die Klangmassen leichter in Bewegung zu halten. In der Bearbeitung für Kammermusikensemble bekommen dann derartige Stücke eine völlig neue Transparenz, wie sie weder für die sinfonische Fassung noch für Kammermusik unbedingt typisch ist. Hinzu kommt, dass ein kleines Ensemble viel beweglicher agiert als ein großes Orchester (für gewöhnlich) und so auch die Musik ? zumal wenn so virtuose Musiker am Werke sind wie an diesem Morgen ? unglaublich lebendig wird.

Doch Transparenz und Beweglichkeit sind teuer zu erkaufen. Denn wo im Orchester Steigerungen durch gezielte Ausnutzung der Instrumentationsmöglichkeiten erreichbar sind, müssen sie in der Kammermusikversion durch immer wieder neu gesteigerte Virtuosität gemeistert werden. Hinzu kommt, dass sich eine nicht original für das Instrument gesetzte Komposition nicht unbedingt gut spielen lässt. Insofern liegt das Vergnügen an dieser Musik eindeutig mehr auf Seiten des Publikums als auf Seiten der Interpreten, was gerade bei ?Hausmusik? nicht immer unbedingt der Fall ist.

So ist es ein seltenes Glück, vier famose Spieler zu erleben, die nicht nur eine wache geistige Auseinandersetzung mit der Musik demonstrieren, sondern auch gelöst und frei aufspielen mit genügend Zeit für gelegentliche Blickkontakte und genügend Konzertration, um ohne Spannungsbrüche das Geschehen voranzutreiben. Da für den Hörer zudem die Erinnerungen an die sinfonischen Dimensionen der Werke hinzukommen, bleibt letztendlich, wieder einmal festzustellen, was für ein großartiger Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy doch ist und dass er wirklich verdiente, genau so oft gehört zu werden wie etwa Brahms oder Beethoven.

(Marcus Erb-Szymanski)

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