Anja Scharruhn | Drucken17.12.2008 

Großes Konzerterlebnis im kleinen Saal

Musiker des Gewandhausorchesters spielen Schubert und Penderecki

Wenn Konzertmeister Sebastian Breuninger zur Kammermusik einlädt, wer könnte da nein sagen. Der Mendelssohn-Saal war dennoch nicht ausverkauft, bedauerlich, angesichts der großen musikalischen Darbietung, der man fernab der üblichen Weihnachtsberieselung am Sonntag beiwohnen konnte.
Die in kleiner Besetzung nur sporadisch miteinander musizierenden Gewandhausmusiker eröffneten mit dem im Jahr 2000 entstandenen Sextett des polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki.

Penderecki wandte sich in den 1990er Jahren wieder verstärkt der kammermusikalischen Besetzung zu. Der namhafte Komponist, der einst der Avantgarde angehörte und die Postserielle Musik entwickelte, sieht heute in Schostakowitsch oder Sibelius seine Vorbilder. Für seine Rückkehr zur Tonalität steht er zunehmend in der Kritik von Kollegen, das Publikum dagegen dankt es ihm. Trotz des meisterhaften Vortrags konnte man sich auch an diesem Abend nicht des Verdachts erwehren, das dargebrachte Werk sei bei aller Schönheit allzu versöhnlich. Das fast spätromantisch anmutende Larghetto fiel hinter dem ersten Satz in der Qualität deutlich zurück. Dieser war geprägt von punktueller imitatorischer Motivik auf rhythmischen Grundschlägen und deren Verdichtung. Insgesamt nicht schlecht, von diesem verständig spielenden Ensemble hätte man sich aber ein interessanteres Stück gewünscht, ohne Penderecki seine Verdienste absprechen zu wollen.

Doch es ist nicht leicht, dem Vergleich mit einem der wichtigsten Werke der Kammermusikliteratur standzuhalten. Denn als solches ist Schuberts Quintett in C-Dur D 956 zweifellos zu bezeichnen. Das aller Zeitlichkeit erhabene, mit zwei Celli besetzte Werk entstand im Todesjahr des Komponisten 1828, auf dem Höhepunkt dessen künstlerischer Reife. Alle ausführenden Musiker spielten nahezu vollkommen und machten einander nichts streitig. Kein falscher Ton trübte das Bild, das leiseste pianissimo war eine Wonne, die ganze Interpretation ein Glückserlebnis.

Das Glück war auch mit Annemarie Moorcroft: Sie hielt ihr Instrument bei einem Sturz auf der Bühne heldenhaft in die Höhe und trug zum Glück auch selbst keine weiteren Verletzungen davon. Wer sich für dieses äußerlich unspektakuläre Konzert entschieden hatte, nahm an einem Glanzpunkt des Leipziger Musiklebens teil.

Krzysztof Penderecki: Sextett für Klavier, Klarinette, Horn, Violine, Viola und Violoncello
Franz Schubert: Quintett C-Dur D 956 für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli
Musiker des Gewandhausorchesters

14. Dezember 2008, Gewandhaus, Mendelssohn-Saal

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