Sebastian Heinz | Drucken23.03.2018 

Mein Handy, das ist ein Trap Phone – jeder Anruf ist ein Money-Call

Hamburger Rapperin Haiyti zu Gast im Täubchenthal

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Zwischen Trap, Dancehall und Pop: das 2018 erschienene Album Montenegro Zero (Foto: Artist)

Nach ihrem Auftritt beim letztjährigen Campusfest der Uni Leipzig, der für mich eines der Konzert-Highlights des Jahres darstellte, war die Vorfreude auf den Abend im Täubchenthal groß. Haiyti hatte das Anfang des Jahres veröffentlichte Album Montenegro Zero sowie den Opening Act Skinnyblackboy im Gepäck. Als Tour-Dj fungierte wie gewohnt Asad John, der für einen angenehmen Klang im gut gefüllten Clubzimmer des Täubchenthals sorgte.

Haiytis Sound auf dem neuen Album changiert irgendwo zwischen Trap, Dancehall und Pop, mit anderen Worten in aller erster Linie Partymusik. Die Stimmung war dementsprechend ausgelassen und Pogo-Tänze beim Publikum vom ersten bis zum letzten Lied Standard - wie erwartet eine schweißtreibende Angelegenheit.

Es wurde fast das komplette aktuelle Album garniert mit den bekanntesten Tracks früherer Releases gespielt, was im Allgemeinen bei Konzerten keine Besonderheit darstellt. Haiyti hatte allerdings – und das ist durchaus eine Besonderheit – keinen Backup-MC dabei und bestritt die gesamte Show allein am Mikrofon. Es kam ihr aber zugute, dass das Publikum fast jeden Refrain so laut mitsang, dass sie hier und da einige Verschnaufpausen hatte.

Auf die prominenten Feature-Tracks (z.B. 120 Jahre mit Trettmann) wurde verzichtet, einzige Ausnahme bildete das Lied Zeitboy, bei dem ein Zuschauer auf die Bühne geholt wurde, der dann den Part von Joey Bargeld doch erstaunlich souverän übernahm. Ansonsten gab es keine Ansagen an das Publikum, das Tempo der Show soll hochgehalten werden. Dazu gehörte auch, dass die Lieder nicht als Partyhits zelebriert wurden. Die meisten Lieder waren live kürzer als die Studioversion, da Refrains und Intros/Outros nicht wiederholt oder stark eingekürzt wurden.

Bemerkenswert bei all dem ist, wie scheinbar mühelos Haiyti unterschiedlichste Flowpassagen miteinander kombiniert und mit ihrer Stimme die Gefühlslage der einzelnen Lieder sehr treffend wiedergibt. Teilweise rappt sie sogar ihre eigenen Adlibs mit, die allerdings alle auch noch unterstützend vom Band kamen. Bei ihrem vor allem durch ihr Image geprägten Auftreten kann man also leicht übersehen, dass man hier eine der technisch versiertesten MCs des Landes vor sich hat.

Nach mehreren Zugaben und einer etwas über 60-minütigen Show ging der damit Abend zu Ende, dass dem Publikum rote, langstielige Rosen geschenkt wurden, ihr Image als Trap-Queen ist Haiyti somit zweifellos immer noch wichtig. Es bleibt festzuhalten, dass hier ein absoluter Geheimtipp für die kommende Festivalsaison im Täuchenthal Station machte. Unabhängig davon, ob man die Lieder kennt oder nicht, ein Auftritt von Haiyti garantiert eigentlich immer Party-Stimmung ohne Stumpfsinn.

Die Kleine macht jetzt Kasse-Tour

Haiyti

11. März 2018 im Täubchenthal

Weitere Infos: ww.haiyti.de

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