Steffen Kühn | Drucken | Kommentar (1)29.05.2013 

Die singende Makatsch

Jan Josef Liefers macht's, Anna Loos macht's, Axel Prahl macht's, Ben Becker macht's – nun macht es auch Heike Makatsch. Deutsche Schauspieler erobern die Konzertbühnen. Ist das nur eine Tendenz oder eine ernstzunehmende Profilierung?

Foto: R.Arnold/CT

Heike Makatsch steht heute mit dem Berliner Multigitarristen Steve Binetti auf der Hinterbühne des Leipziger Schauspielhauses. In der Hartmann-Inszenierung Paris-Texas haben die beiden gemeinsam musiziert, aus ihrer Sicht so erfolgreich, dass sie sich heute ein ganzes Konzertprogramm vorgenommen haben. Ein Programm aus den sogenannten Binetti-Songs und Lieblingssongs von Heike Makatsch. Vergoldete Lieblingssongs wie Heike Makatsch uns erklärt, vergoldet von Steve Binetti. Das Duo des Abends fasziniert erst mal rein visuell. Steve Binettis weißes Hemd ist fast bis zum Bauchnabel offen, wild aufragendes Resthaar, das passt zu seinem exaltierten Gitarrenspiel. Heike Makatsch spielt die etwas verträumte, etwas aufgeregte Schöne: Die weiße Bluse ist bis zum Hals zugeknöpft, ein braves Röckchen, die hochhackigen roten Schuhe, dann doch ein wenig Rocklady. Die ersten Songs kommen sehr dünn daher, Binetti erhöht das Tempo und klampft als wenn es um sein Leben geht, mit verdrehten Augen, den Kopf gen Bühnenhimmel gerichtet bearbeitet er Gitarre, Mikro und ein auf dem Boden liegendes Percussion. Beim Titel „Who is afraid of the black men“ ist Heike Makatsch dann soweit, sie performt mit ihrer ganzen Ausstrahlung und endlich sind da Emotionen, ins Publikum kommt etwas Bewegung. „Don´t think twice ist allright“ von Neil Young ist dann so ein von Binetti gefeatureter Lieblingssong von Heike Makatsch. Sehr mutig überhaupt, wie sich die Makatsch da auf die Bühne stellt, und sehr mutig auch, seine Lieblingssongs zu verraten. Man spürt das ist echt, die Anstrengung der Beiden auch nicht gespielt. Etwas sehr Persönliches ist dieses Konzert, hier liegt die Qualität. Wer Steve Binetti noch nie gesehen hat, bekommt dann mit der Zugabe noch einen Solo-Act: „The sweet little Rock’n’Roller“ ein endlos Loop von einem Musiksüchtigen. Binetti klopft auf das Mikro, zieht die Saiten seiner Gitarre über den Mikrofonständer, er springt und steppt, am Ende rollt er mit heißerer Stimme über die Bühne. Heike Makatsch sitzt gespannt daneben, ganz brav die Beine übereinandergeschlagen, das Kinn aufgestützt freut sie sich über den wilden Steve und der freut sich über die lächelnde Schöne. Derartig entspannt endet das Konzert der singenden Makatsch.

Steve Binetti featuring Heike Makatsch

20. April 2013 Centraltheater


Kommentare lesen und hinzufügen (1)

Mascha schrieb am 24.10.2013 um 10:41 Uhr:

Ist es nun eine "Tendenz" oder eine "ernstzunehmende Profilierung"? Als ob ihnen allen zu langweilig ist oder sie den Hals nicht voll kriegen... Manchmal möchte man doch gerne sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten!
Sopie Hunger hat sich ja beispielsweise auch für die Sache entschieden, die ihr mehr liegt... zu Recht und zum Glück! Warum diese Tendenz, dass "alle alles" machen? Ein Bäcker wird doch auch kein Fleischer, oder was sagst du? Passt wiedermal gut zu "Skills", "Flexibel sein" und Co. Optimale Optimierung!
Wäre es nicht gut, jungen Musikern die Bühne zu überlassen, als singenden Filmschauspielern?

 
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