Janna Kagerer | Drucken23.02.2010 

Für sie beginnt die Stadt im Süden

Interview-CD: Marlen Pelnys akustische Liebeserklärung an Leipzig

Ganz sicher kann man sich nicht sein, wo Liedermacherin Marlen Pelny gerade ihre Zelte aufgeschlagen hat. In der großstädtischen Anonymität von Berlin? Oder (wieder) in Leipzig? Eines ist jedoch sicher. Wenn sie auch gerade nicht in jener Stadt lebt, die mehr ist als Heldenhort und Messemetropole, so finden ihre Gedanken und Gefühle immer wieder dorthin zurück. Mit einem akustischen Projekt setzt sie nun Leipzig ein liebevolles und lebendiges Denkmal in Form der im Eigenverlag herausgegebenen CD Im Süden beginnt die Stadt.

Kein Song-Album, sie ist mehr eine Sammlung von O-Tönen, die Pelny Freunden, Kollegen und (Seelen-)Verwandten entlockt hat. Die doch nicht frei sind von ihrer für sie charakteristischen Musik. Die Scheibe wird mit einem ruhigen und melancholischen Lied eingeleitet. Eine wunderschöne Ouvertüre aus konzentrierter Melodie und der berührenden Stimme der Sängerin, die als Zweitstimme gleich noch mal auftaucht. Musik, die geradlinig ehrlich daher- und ohne überflüssige Schnörkel auskommt.

Was folgt, sind eben jene O-Töne, die Marlen Pelny auf gelungene Weise akustisch untermalt, illustriert oder kontrastiert. Die Vielfalt der Mittel beeindruckt. Die Gitarre ist bestimmend, doch es kommen auch Schlagzeug oder Spieluhr zum Einsatz, Loops und Stimmverzerrung oder das Überlagern mehrer O-Töne zeigen ein kreatives Spiel mit den Worten. Das reine Wort, ungefiltert, bleibt dennoch im Vordergrund. Das unterstreicht die Authentizität des Gesagten, hemmt aber auch die künstlerische Note. Besondere Qualität erhält das Projekt insbesondere bei den Titeln, bei denen Pelny singt. So mischt sie bei Kurze Unterbrechung Kindermund mit einem kindlich anmutenden Lied. In Verschwinden wirkt durch die einen Refrain singende Hintergrundstimme besonders stark und ist mehr als eine akustische Antwort auf einen O-Ton. Hier scheint das Kunstwerk durch, große Kunst en miniature.

Nein, es ist wahrlich nicht alles kunstvoll auf dieser CD. Formal bewegt sich das Gesagte zwischen rhetorisch versiertem Erzählen und hilflos wirkender Suche nach Worten, inhaltlich zwischen interessanten Statements und öden Allgemeinplätzen. Heimatgefühl und Fluchtgedanken, Liebe zur Stadt und Entfremdung von ihr, dazu Erinnerungen und Ostalgie. Die Stadt fungiert als ein Spiegel der eigenen Befindlichkeiten. All das steckt in den Bekenntnissen, die da preisgegeben werden. Wenn auch nicht immer kunstvoll, so doch eines ganz bestimmt: menschlich.

Doch es ist ja auch kein Journalismus, der da betrieben wird. Es geht um authentische Stimmen zu Leipzig, die wohl - für sich gesehen - nicht unterhaltenden oder wissensbereichernden Anspruch haben sollen. Es handelt sich um ein Experiment, das schon deshalb spannend ist, weil sich jemand auf den Weg macht, es zu wagen. Und es ist eindeutig eine Liebeserklärung an eine Stadt, die eben mehr ist als Heldenhort und Messemetropole.

Marlen Pelny: Im Süden beginnt die Stadt

Interview-CD

www.myspace.com/marlenpelny

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