Stefan Horlitz | Drucken13.05.2003 

Wo staubt's denn hier?

Das Klezmertrio Rada Synergica spielt im Polnischen Kulturinstitut

Osteuropäische Musik, oder das, was man darunter versteht, ist auf dem besten Wege, der Irish Folk des frühen 21. Jahrhunderts zu werden. Da tauchen auf der einen Seite großartige Ensembles im Dutzend auf und begeistern mit niegehörten Klängen. Auf der Schattenseite wird alles, was aus mindestens drei bulgarischen Damen besteht und schräge Intervalle singen kann, ins Tonstudio gezogen. Die grassierende Klezmeritis ist dabei ein hervorstechendes Phänomen; allein die Szene in Deutschland ist kaum noch überschaubar.

Rada synergica sind angetreten, um in ungewöhnlicher Besetzung (Klavier, Klarinette, Cello, Gesang) ihre Version von traditioneller Tanzmusik und Klageliedern osteuropäischer Provenienz erklingen zu lassen. Was Rada Synergica letzlich spielen, hat mit Klezmer nur mittelbar zu tun und klingt eher nach der Tradition der ehedem beliebten Salonzigeunerkapellen. Die spartanische Drei-Akkorde-Ästhetik des Klezmer wird traditionell durch unvorhersehbare komplexe Ornamentik und variable, "schmutzige" Intonationen abgefedert, wovon hier nichts zu spüren ist. In den Tanznummern herrscht ein etwas müder Polkarhythmus vor, den das Klavier vorgibt, leider jenseits von Raffinesse und jener "Leichtigkeit im Schweren", die diese Musik eigentlich braucht. Nur selten löst sich das Trio von der steifen Rhythmik und spielt etwas befreiter auf.

Den angekündigten "galizischen Straßenstaub" (Presseinfo) suche ich jedoch vergebens und auch die streublümchenartig verteilten Juchaza (vorwiegend "Hej", "Oj" und "Joj"; Spontaneität vortäuschend) kommen so schüchtern daher, dass sie peinlich und deplaziert wirken. Zu lieb, brav und gutgemeint ist das alles, um wirklich zu überzeugen. Und bis zu den staubigen Straßen Galiziens gilt es noch ein ganzes Stückchen Wegs zurückzulegen; damit in den rauchfreien Kneipen Leipzigs zu starten, ist vielleicht nicht der richtige Anfang.

Sylke Jilani (Klavier),
Claudia Herold (Cello) und
Stefanie Koch (Klarinette)

Dienstag 13.05.2003

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