Juliette Appold | Drucken06.06.2006 

Kongenial

Martha Argerich bezaubert durch ihr Klavierspiel das Publikum im Gewandhaus

Die Stimmung ist prickelnd, das Publikum gespannt, im Saal und auf der Bühne sind Kameras aufgebaut, Martha Argerich spielt heute Abend und das Konzert wird für eine Arte Produktion mitgeschnitten - ein Konzertabend der besonderen Art!

Endlich! Martha Argerich kommt auf die Bühne. Das Klavierkonzert beginnt. Gleich die Eingangsakkorde geben den Ton an. Klar und kräftig eröffnen sie das Konzert. Alsbald schließt sich das dazu kontrastierende, lyrische Thema an, und man meint nachvollziehen zu können, daß Schumann hier zwei Charaktere vorgestellt hat. Dunkle Akkordarpeggien begleiten die von der Pianistin klar herausgestellte Melodie in tiefer Lage. Insgesamt ist ihre Interpretation würdevoll und kräftig. Das Werk, so bekannt es auch sein mag, wirkt neuartig, das Gehörte zieht das gesamte Auditorium in seinen Bann. Schön sind die Dialoge mit Klarinette und Oboe. Das Publikum wiegt sich zu den sanglichen Klaviermelodien und ist sichtlich fasziniert von den überraschenden und kontrastierenden Momenten. Die Begleitung des Gewandhausorchesters ist edel, zurückhaltend, aber auch leider manchmal etwas schwerfällig, wenn zum Beispiel die vorgegebenen Motive langsamer beantwortet werden als vorgegeben. Der Schlußsatz ergänzt den begeisternden Gesamteindruck. Mehrfach wird die Solistin herausgeklatscht, mit Standing Ovation und Bravo-Rufen gefeiert. Die kleine Zugabe wird von ihr durchsichtig, dynamisch differenziert und dabei, wie zuvor, unprätentiös und hinreißend vorgetragen.

Zwei interessante Orchestrierungen von Schumanns Klavierwerken erklingen ebenfalls an diesem Abend: Tschaikowskys Transkription der Klavieretüden op. 13 Nr. 11 und 12 sowie der Carnaval op. 9 von Ravel. Die Etüden sind zwei kontrastreiche Musikstücke. Die erste wird zauberhaft von der Flötistin in lyrischem Ton vorgetragen, die andere vom Orchester mit vollem Klang, dynamischen Variationen und tänzerischen Elementen. Reizvoll bei Ravels Carnaval sind die von Harfenklängen umspielten Melodien, zusammen mit Schlagzeugeinsätzen und synkopierten Rhythmen. Der wirklich karnevaleske Schluß mit den wiederholten Schlußakkorden wirkt amüsant und läßt die Überschrift der Komposition zum Programm werden.

Einen schönen Abschluß des Konzertes bildet Schumanns vierte Sinfonie. Im zweiten Satz erfreut man sich an den solistischen Einsätzen des Konzertmeisters und der Oboe, auch sonst wird das Werk wie gewohnt vorgetragen, was vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wird. Hier und da wünscht man sich aber ein bißchen mehr Dynamik. Das Gehörte bewegt sich vorwiegend im Bereich des mezzoforte oder forte. Dadurch wirken die Einsätze einzelner Instrumentengruppen sehr unterdrückt. Der Aufbau von größeren Spannungsbögen scheint in dieser Interpretation zu fehlen. Kurz gesagt: Man bekommt hier eine ordentliche, aber nicht unvergeßliche Orchesterdarbietung der Sinfonie. Der Höhepunkt des Abends ist und bleibt somit das bezaubernde Spiel der Martha Argerich.

Die Grande Dame des Klavierspiels

Robert SchumannAdagio und Allegro brillante
aus den Sinfonischen Etüden op. 13 (Nr. 11 und 12)
Transkription für Orchester von Peter TschaikowskiKonzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54
1.Allegro affettuoso 2. Intermezzo (Andantino grazioso) 3. Allegro vivace

***

Robert SchumannCarnaval op. 9
Transkription für Orchester von Maurice Ravel
Préambule - Valse allemande - Paganini - Marche des "Davidsbündler" contre les PhilistinsSinfonie Nr. 4 d-moll op. 120
1. Ziemlich langsam -Lebhaft 2. Romanze: Ziemlich langsam 3. Scherzo: Lebhaft 4. Langsam - Lebhaft

Martha Argerich Klavier
Gewandhausorchester
Riccardo Chailly

Freitag, 2. Juni 2006; 20.00 Uhr, Gewandhaus Großer Saal

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