Nico Thom | Drucken19.06.2003 

Wenn sich der Kreis schließt

Konzert für und mit dem Posaunisten Henry Walther zu dessen 70. Geburtstag und Überreichung des Jazz-Nachwuchsstipendiums 2003 an Jan Roth

Wer kennt das nicht: sieben Priester, sieben Posaunen, sieben Tage... die biblische Geschichte um die Eroberung Jerichos und den Fall der Stadtmauer. Nun waren es nicht sieben Priester, die sieben Tage lang bliesen, aber immerhin sieben Posaunisten, die im Blauen Salon des Kosmos-Hauses auf der Bühne standen, um denjenigen unter ihnen zu ehren, der seinen 70. Geburtstag beging - Henry Walther.

Der am 8. Juni 1933 im Erzgebirge geborene Musiker begann im Alter von 14 Jahren seine musikalische Ausbildung; an der Musikschule erlernte er das Bratschen- und Posaunenspiel. Danach ging er an die Leipziger Musikhochschule, um im Hauptfach Bratsche und im Nebenfach Posaune zu studieren. Bis Mitte der 50er Jahre war Henry Walther in erster Linie als Bratschist tätig; traf dann jedoch auf Eberhard Weise und Ernst Ludwig Petrowsky, die ihn als Posaunisten für ihre Jazz-Band haben wollten. Henry Walther widmete sich nun verstärkt seinem Nebeninstrument und machte es kurzerhand zu seinem Hauptinstrument. Er spielte dann eine Zeitlang als klassischer Posaunist im Orchester des Gerhard-Hauptmann-Theaters in Görlitz und wechselte 1960 zur Leipziger Radio-Bigband, bei der er bis 1992 die Soloposaune spielte. 1993 ging er als Dozent für Jazzposaune an die Dresdener Musikhochschule und übernahm später, parallel zu dieser Arbeit, einen Lehrauftrag an der Leipziger Musikhochschule.

Seine Schüler waren es dann auch, die ihrem Lehrer die Referenz erwiesen und zu seinem 70. Geburtstag die Bühne mit ihm teilten. Einige Freunde und musikalische Weggefährten ließen es sich ebenfalls nicht nehmen, beim Jubiläumskonzert dabei zu sein und Henry Walter musikalische Geburtstagsgrüße zu überbringen. Und so ergab es sich, daß das zahlreich erschienene Publikum, das sich aus Freunden wie Fans zusammensetzte, Henry Walther in verschiedenen Formationen erleben durfte und sich ein Bild von dessen musikalischer Vielseitigkeit machen konnte. Gemeinsam mit ?Hot Geier?, einem 90jährigen Jazzplatten-Sammler und Leipziger Urgestein, schnitt Henry Walther die ihm überbrachte Geburtstagstorte an und nahm Blumen und Geschenke entgegen.

Ein Geschenk ganz anderer Art empfing der Schlagzeuger Jan Roth. Im Rahmen des Geburtstagskonzertes wurde dem Absolventen der Leipziger Musikhochschule das Jazz-Nachwuchsstipendium 2003 der Marion-Ermer-Stiftung und der Stadt Leipzig überreicht. Mit dem Stipendium möchte er nach eigenen Angaben ein Aufbaustudium an der berühmten New Yorker Hilliard School of Music finanzieren, für das ihm die Gratulanten alles Gute wünschten.

Es war ein runder Abend, dieser Abend im Blauen Salon: einem verdienstvollen erfahrenen Mann wurde die ihm gebührende Ehre für sein musikalisches Lebenswerk entgegengebracht und einem noch verhältnismäßig unerfahrenen jungen Mann wurde ein Stückchen des Wegs für ein Leben mit und für die Musik geebnet. Manchmal schließt sich der Kreis des Lebens eben so offensichtlich, das man ihn zelebrieren muß.

Konzert für und mit dem Posaunisten Henry Walther zu dessen 70. Geburtstag
und Überreichung des Jazz-Nachwuchsstipendiums 2003 an Jan Roth

Henry Walther - Posaune, Arrangements
Ansgar Striepens - Posaune, Arrangements
Michael Winkler - Posaune
Martin Kokot - Posaune
Andreas Uhlmann - Posaune
Matthias Büttner - Posaune
Thomas Poscharsky - Posaune

Michael Arnold - Saxophon
Ecki Gleim - E-Gitarre
Stephan König - Piano
Harry Nicolai - Piano
Thomas Moritz - Kontrabaß
Günter Kiesant - Schlagzeug

19. Juni, Blauer Salon im Kosmos-Haus

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