Nico Thom | Drucken05.11.2003 

Konzentrierte Synergie

Ein Konzert mit dem amerikanischen Lynne Arriale Trio

Beim Hören des Lynne Arriale Trios bekommt man einen unmittelbaren Eindruck von der sich entfaltenden Kraft einer mehrere Jahre andauernden künstlerischen Zusammenarbeit. Fünf Alben hat das amerikanische Trio bereits eingespielt, zahlreiche Tourneen durch Kanada, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Amerika, Italien, Polen und Deutschland absolviert und somit viel Zeit auf die Ausarbeitung eines eigenen Gruppensounds verwenden können.

Dieser Gruppensound ist mehr als nur die Summe seiner Teile. Zwar bezieht sich das klingende Gesamtgefüge auf die je individuellen musikalischen Erfahrungen der Akteure, aber die Unverwechselbarkeit des Gemeinsam-Erschaffenen ist auf das Gemeinsam-Musik-Machen-Wollen, das Sich-Gegenseitig-Zuhören-Wollen, das Sich-Gegenseitig-Unterstützen-Wollen zurückzuführen. Es sind dies Volitionen, die im Ergebnis eine intime, freundschaftliche und von Respekt geprägte Musik zur Folge haben.

Man hört diese Musik gern, weil sie ein echter Austausch, ein Geben und Nehmen ist. Intuitiv erschließt der Hörer diesen positiven Prozess, der von Sympathie geprägt ist: Sympathie zwischen den Musizierenden, die vom Zuhörer erkannt wird und dessen Sympathie hervorruft, die er den Musizierenden durch wohlmeinende Gesten vermittelt, was wiederum zur Folge hat, dass diese die Sympathiebekundungen des Zuhörers aufnehmen und an ihn zurückgeben, sei es nun durch Danksagungen, Gesten, oder durch die Steigerung ihrer Spielfreude.

Das Lynne Arriale Trio kann solch ein allgemeines Wohlbefinden nur deshalb verbreiten, weil es sich sicher fühlt, weil es eingespielt ist und weil jeder der Beteiligten von den künstlerischen Fertigkeiten der Begleiter fasziniert ist. Diese Faszination verleiht sich ständig Ausdruck. Man lächelt sich an, nickt wohlwollend und zieht anerkennend die Augenbraun hoch, so als wolle man sagen: toll gemacht!

Man könnte noch viel mehr zum Lynne Arriale Trio sagen, etwa zu den solistischen Qualitäten und musikalischen Lebensläufen der einzelnen MusikerInnen, allerdings würde man damit die Intention des Trios leicht verfehlen: nämlich Ensemble-Musik als einen intersubjektiven Prozess zu begreifen, dessen positives Ergebnis in erster Linie von der Bereitschaft abhängig ist, individuelle Geltungsansprüche hintenan zu stellen.

Lynne Arriale Trio

Lynne Arriale - Piano
Jay Anderson - Kontrabass
Steve Davis - Schlagzeug

5. November, Kosmopolitan

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