Steffen Kühn | Drucken14.01.2007 

Kulturmarketing vom Feinsten

13.000 Zuhörer hören an zwei Tagen das Ensemble des Gewandhauses und der Oper Leipzig mit der Herr der Ringe Sinfonie

In der aktuellen Ausgabe des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer freut sich Opernintendant Henri Meier, dass nach der Sanierung des Opernhauses am Augustusplatz zweihundert Plätze weniger auf ihr Publikum warten müssen. Auch eine Art die Auslastungszahlen zu verbessern! Dass es auch anders geht, ist an diesem Wochenende in der Leipziger Arena zu erleben. Iris Rackwitz, die Initiatorin von der ZSL Betreibergesellschaft GmbH, hat es mit ihrem Team geschafft, dass an nur zwei Tagen 13.000 Menschen Leipzigs erlesene Klangkörper zu Gehör bekommen.

Kulturmarketing vom Feinsten! Und was noch schwerer wiegt, ja geradezu zum Schwärmen einlädt, ist die Vermittlung klassischer Musiktradition an Zielgruppen, die sonst nie mit der sogenannten E-Musik in Verbindung kommen: "Wer weiß wann ich das letzte Mal in einem Sinfoniekonzert war, vielleicht in der Schulzeit?" Solche und andere Dialoge strömen in der Pause durch die Reihen, mit der Handy-Kamera werden eifrig interessiert die Bässe auf der Bühne abgelichtet. Auch für die Musiker ein ungewohntes Bild: Bier aus Plastebechern kann man sich schwer im Gewandhaus vorstellen und dann noch während der Musik. Aber wenn das die Schranken sind, die Herrn und Frau Mustermann aus unseren Konzerthäusern fernhält, sollten wir sie schleunigst fallen lassen.

In der Herr der Ringe Sinfonie hat Howard Shore den zwölfstündigen Soundtreck der Herr der Ringe Trilogie in einer sinfonischen Dichtung arrangiert. Die Welt der Elben, Trolle, Orks, Hobbits, Könige und Zauberer ist in einen schillernden Klangkosmos übersetzt. Die erzählenden Motive werden noch durch Videoprojektionen unterstützt, die zum Großteil aus Bildern des Tollkienschen Epos´ bestehen. Der riesige Klangapparat lebt von fulminanten Streicherfiguren. Der Dirigent John Mauceri ist ein ausgewiesener Spezialist des Hollywood-Sounds. Seit vielen Jahren leitet er die Filmmusikkonzerte des Gewandhausorchesters in Leipzig. So ist wohl schon eine Art von Vertrauen entstanden und er kann es sich leisten, das Tempo über weite Strecken den Musikern selbst zu überlassen. Besonders die hervorragenden Schlagzeuger nutzen das mit Verve und treiben die über 200 Musiker immer wieder voran. Wo die Chorkinder von der Partitur verwöhnt werden und mit ihrem vollem und doch kristallklarem Klang das Haus erfüllen, ist der Opernchor oft Verlierer gegen das klangewaltige Orchester und kann seine Qualitäten nicht voll entfalten. Kaitlyn Lusk, Tammy Tyburczy, Elmar Kühn und Thomas Oertel-Gormans bezaubern mit einem erstaunlich geschlossenen Sound, der zwischen E- und U-Musik zu liegen scheint. Ist das der Elbensound? Die Gäste aus Amerika ebenso konzentriert wie die Ensemblemitglieder Elmar Kühn und Thomas Oertel-Gormanns.

Fazit: John Mauceri erreicht mit dem diesjährigen Filmmusikkonzert fast so viele Menschen wie die vergangenen sieben Jahre zuvor in Summe, 13.000 Menschen hören ein exzellent vorgetragenes Stück Filmmusikgeschichte und vieles andere mehr könnte man aufzählen. Das Wagnis hat sich gelohnt und sollte Schule machen!

Herr der Ringe Sinfonie

von Howard Shore
Musikalische Leitung: John Mauceri
Sopran: Kaitlyn Lusk & Tammy Tyburczy
Knabensopran: Elmar Kühn
Bariton: Thomas Oertel-Gorman

Opernchor Leipzig
OpernKinderchor Leipzig
GewandhausKinderchor Leipzig
Gewandhausorchester Leipzig

6. Januar 2007, Arena Leipzig

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