Steffen Kühn | Drucken04.12.2006 

Britten & Brecht: Man darf gratulieren

Der Gewandhaus-Kinderchor musiziert in die Weihnachtszeit zum Chorkonzert

Ein Jahr der musikalischen Jubiläen neigt sich dem Ende, nach der Uraufführung von Amadeus Klavier im Juni widmet sich der GewandhausKinderchor nun noch den Jubilaren Britten und Brecht. Ein anspruchsvolles Programm hat Frank-Steffen Elster zusammengestellt. Aus dem reichhaltigem Repertoire Brittens, der ein Faible für Kinder hatte, hören wir geistliche, weihnachtliche und dramatische Kompositionen. Missa brevis steht am Beginn des Abends: In atemberaubendenden Höhen fleht die Komposition um Erbarmen, gegen die Gewandhausorgel haben es die Kinder im Kyrie nicht leicht. Aber im tänzerischen Gloria kann sich der klare Chorklang wunderbar entfalten. Das Stück ist sehr assoziativ, ganz dunkle Farben im Agnus Dei, eine sehr dichte rhythmische Struktur zum Schluss.

In den folgenden drei Liedern begleitet Walter Zoller am Klavier. Ein harmonisches Zusammenspiel, dem Frank-Steffen Elster durch energische Gesten immer wieder Energie einhaucht.

Nun suchen alle die Harfe, doch leider muss A Ceremony of Carols ohne diese auskommen, Cornelia Smazcny ist kurzfristig erkrankt. Walter Zoller hat den Part, freilich am Klavier übernommen. Den Liederkreis A Ceremony of Carols, der weihnachtliche Lobgesänge nach altenglischen Texten aus dem 14. und 15. Jahrhundert vereint, hat Britten auf einer Überfahrt von Amerika nach England 1942 komponiert, von den Strapazen einer solchen Reise hört man allerdings nichts. Ein wunderbares Chorwerk, dem der GewandhausKinderchor in erfrischender Weise begegnet. Die Chorsolisten leisten außergewöhnliches, in rhythmischen Passagen lassen sich die Kinder vom inspirierenden Spiel des Klaviers mit sichtbarer Freude mitnehmen. Im Interlude spielt Walter Zoller mit der vielseitigen Komposition, sehr gefühlvoll stehen die Töne im Raum, schwingen sich aus bis plötzlich glasklare Läufe das Tempo anheizen.

Nach der Pause Children´s Crusade: neun Schlagzeuger, zwei Flügel und eine elektronische Orgel. Expressive Schlagzeugaktionen eröffnen die Ballade um die fünfundfünfzig im Krieg eltern- und heimatlos gewordenen Kinder. Die Textverständlichkeit ist leider eingeschränkt, so dass man dem Inhalt nicht uneingeschränkt folgen kann, doch die dramatischen musikalischen Aktionen fesseln auch die Sinne, der Chor agiert in lyrischer Art vor den glitzernden und funkelnden Schlagzeugstrukturen. Sehr präzise, vor allem in den ruhigen Phasen die Führung durch Frank-Steffen Elster.

Man darf gratulieren: Ein Konzert, in erstklassischer Qualität, thematisch fest in der Vorweihnachtszeit verankert verbindet auf selbstverständliche Weise Tradition und aktuellen Anspruch. Das Bild der festlich gekleideten jungen Sängerinnen und Sänger, wie sie hochgespannt am Flügel stehend musizieren, wird die heute Anwesenden sicher durch die allzu aufgeregte Weihnachtszeit leiten.

CHORKONZERT

Benjamin Britten zum 30. Todestag
Bertolt Brecht zum 50. Todestag

GewandhausKinderchor
Frank-Steffen Elster, Leitung
Michael Schönheit, Orgel
Walter Zoller, Klavier
Mitglieder des Gewandhausorchesters

Benjamin Britten (1913-1976):
Missa brevis in D op. 63 (1959)
Corpus Christi Carol (1932-33/1955)
King Herod and the Cock
Fancie (1961)
A Ceremony of Carols op. 28 (1942)
Children´s Crusde op. 82 (1968)

2. Dezember 2006, Gewandhaus, Großer Saal


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