| Drucken12.08.2001 

MDR Chor und Orchester mit Mendelssohn Bartholdys „Paulus” (Beate Hennenberg)

12. August 2001, Peterskirche Leipzig

MDR Chor und Orchester unter Fabio Luisi
Felix Mendelssohn Bartholdy ?Paulus?, Oratorium

Musikalisches Drama mit biblischer Story

Als das wütende und kreischende Volk zum zweiten Mal in Folge einen verkündenden Propheten zu Tode steinigen wollte, schritt Gott endlich aus der Ferne ein: Saulus, ursprünglich einer der schlimmsten Gegner der christlichen Lehre, der zuvor die brutale Steinigung des Stephanus gebilligt hatte, ließ sich taufen und mutierte unter dem Namen Paulus zum eifrigen Verfechter der christlichen Lehre. Das ewig ungläubige Volk hatte neuerlich etwas gegen die Heilslehren, doch diesmal besänftigte Gott die Massen, und das zweiteilige Oratorium Paulus von Felix Mendelssohn Bartholdy endet mit Paulus? unblutiger Abreise nach Jerusalem, damit er sich dem Gericht der Juden stellen möge.

Während sich Mendelssohn Bartholdy auf dem Gebiet der Instrumentalmusik von den Zeitgenossen Carl Maria von Weber, Ludwig Spohr und Ignaz Moscheles beeinflussen ließ, orientiert sich seine chorische Vokalmusik vor allem an Carl Zelter. Das 1836 in Leipzig vollendete Oratorium Paulus, das im Rahmen des MDR-Musiksommers unter anderem in der Peterskirche in Leipzig und in der Semperoper in Dresden jeweils vor ausverkauften Häusern aufgeführt wurde, geriet zu einem Erfolg für das ganze künstlerische Ensemble. Allen voran Fionnuala McCarthy (Sopran), die die Kennzeichen des Mendelssohnschen Stils, die lyrischen, liedhaften Themen sowie die fast opernhaften Rezitative, professionell und eindrucksvoll zu verbinden verstand. Die Mezzosopranistin Dagmar Peckova beeindruckte ebenfalls das Publikum, auch wenn es für sie nur wenig zu gestalten gab. Alle ihre Piecen zeichneten sich durch einen einzigartigen Klang aus. Roman Trekel als Paulus hat seinen Part souverän gemeistert; hin und wieder fehlte jedoch ein gewisser stimmlicher Fokus, insofern streute seine Stimme bisweilen und kam in den hinteren Reihen der mit zusätzlichen Sitzgelegenheiten bestückten Kirche nicht deutlich genug an.

Fabio Luisi dirigierte den gestalterisch und intonatorisch perfekten MDR-Chor (zum Teil Frauenchor allein) und das MDR-Orchester überlegen, wiewohl es an manchen Stellen von der Tempiwahl rascher hätte zugehen können. Der Gefahr einer dogmatischen Vergangenheitsbewältigung - gemahnten doch manche fugatischen Doppelchöre an jene eines Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel - ist er deutlich aus dem Wege gegangen.

Erstaunlicherweise ist Mendelssohn, der gerne in seinen lyrischen Nummern, etwa Lasst uns singen von der Gnade des Herrn oder Sei getreu bis in den Tod, eine starke Ausdruckskraft an den Tag legte, die zum Teil sentimentale Züge tragen kann, Opern aus dem Wege gegangen. Seine einzige vollendete, Die Hochzeit des Camacho nach Cervantes Don Quixote, wurde 1827 am Berliner Schauspielhaus ohne Erfolg aus der Taufe gehoben. Die Oper Leipzig wird sie demnächst in ihren Spielplan aufnehmen ? sicherlich eine weitere interessante Entdeckung, die an diesen Abend anknüpfen dürfte.

(Beate Hennenberg)

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