Christin Rakete | Drucken12.09.2011 

„Mendelssohn was the adopted son of England“

Die Leipziger Mendelssohn-Festtage präsentieren sich in diesem Jahr unter dem Motto „Mendelssohn und England“

Riccardo Chailly (Foto: Gert Mothes / Gewandhaus)

Den Auftakt der diesjährigen Mendelssohn-Festtage machte ein Symposium zum historischen Hintergrund um das Thema „Mendelssohn und England“. So erklärte Dr. Burkhard Meischein von der Berliner Humboldt-Universität sehr anschaulich, dass Orgelmusik im 19. Jahrhundert in England geschätzter war als in Deutschland und Felix Mendelssohn Bartholdy durch das Auflebenlassen der Stücke Bachs viele Sympathien gewinnen konnte. Unterdessen referierte Prof. Dr. Susanne Rupp von der Universität Hamburg über das Kulturleben Englands zur Zeit Mendelssohns. Bis heute seien seine Kompositionen ein fester Bestandteil in der englischen Musik. Eine englische Zeitung nannte ihn damals „the adopted son of England“. Man schätzte sein Auftreten – Mendelssohn kam aus einer angesehenen Familie und wirkte bodenständig und eher ruhig. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen trat er daher weniger exzentrisch auf und bot damit ein Pendant zu der Virtuosenbewegung der Romantik.

Seine Musik stand für die moralische Romantik – ohne dunklen Unterton und Negativ-Einfluss. Und genauso präsentierte Riccardo Chailly gemeinsam mit dem Gewandhausorchester Mendelssohns Musik zum Eröffnungskonzert. Zu hören gab es neben der Beethoven-Ouvertüre zu Collins Trauerspiel „Coriolan“ in c-Moll und dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 in c-Moll mit der herausragenden portugiesischen Pianistin Maria João Pires Mendelssohns 5. Sinfonie in d-Moll, die Reformationssinfonie.

Die Einleitung der 5. Sinfonie zeichnet sich durch ihre Ruhe und Sparsamkeit aus, was besonders durch die lyrischen Streichermotive und die fließende Melodieführung hervorkommt. Wie aus dem Nichts, dynamisch fabelhaft ausgearbeitet, ertönen die musikalischen Zitate aus dem Dresdner Amen und zaubern eine erwartungsvolle Spannung in den Gewandhaussaal. Der imposante Einsatz der Blechbläser zerreißt die Idylle und leitet so zum ersten Thema hin, welches sich schnell und imposant, angetrieben durch die aufbrausenden Streicherläufe, durch den ersten Satz zieht.

Der zweite Satz beginnt tänzerisch und fröhlich im Dreivierteltakt mit einem charakteristischen Synkopen-Motiv und bildet einen Kontrast zum nachfolgenden dritten Satz, der sich durch seine Lyrik auszeichnet. Er greift die Stimmung der Einleitung wieder auf: die Ur-Ruhe mit ihren dahinfließenden Melodiebewegungen der hohen Streicher und den wohligen Abgängen der tiefen Bässe, alles im Pianissimo. Und dann, unerwarteter denn je, lässt Chailly crescendierend die Sonne aufgehen, präsentiert die Klanggewalt des ganzen Orchesters in einem mächtigen Fortissimo. Und so plötzlich es kam, so schnell versteckt, ja, verschleiert er es wieder mit einem Decrescendo und lässt den Hörer in der Erinnerung nachschwelgen.

Die folgenden zwei Sätze wirken ab diesem Zeitpunkt wie ein Nachspiel. Musikalisch sind sie dem dritten Satz unterlegen und können nicht denselben Glanz bieten. Was so lyrisch und spannungsreich begann, wirkt am Ende eher matt und enttäuscht die Hoffnung auf ein imposantes Finale. Dennoch war es insgesamt ein musikalischer Abend, der neugierig macht auf die noch folgenden Veranstaltungen.

Mendelssohn-Festtage 2011

1. bis 16. September 2011, Gewandhaus und weitere Spielstätten

www.gewandhaus.de

Veranstaltungsstipp:

Gastkonzert der King Singers mit Vokalwerken unter anderem von Orlando diLasso und Felix Mendelssohn Bartholdy

14. September, Gewandhaus, Großer Saal


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