Juliette Kaiser | Drucken03.04.2007 

Nette Jungs machen nette Musik

Die Rock/Pop Band Tele ist mit Sänger Francesco Wilking in der Ilses Erika

"Das ist das erste Mal, dass die Setlist schon vor dem Konzert durchnässt ist!", staunt Francesco Wilking der Sänger von Tele. Er und die fünf anderen Jungs auf der Bühne scheinen sichtlich beeindruckt von dem Gewühl auf dem Parkett. Es ist voll, heiß und verqualmt. Selbst in den Nebenräumen bilden sich Reihen hinter den Pfeilern, in der Hoffnung doch einen Blick auf die Musiker erhaschen zu können. Sichtlich vom Tourleben gezeichnet -Dreitagebärte wo das Auge hinguckt - erreichen die sechs Süddeutschen die Bühne. Was früher mal ein Pony war fällt nun in dicken, nassen Strähnen dem Sänger vors linke Auge und perfektioniert so den Radioheadlook um ein verzerrtes Augen kneifen. Schon schwingen die Stimmbänder ganz anders. Derben Rock Roll kann man nicht erwarten. Stattdessen versprechen Tele, dass alles gut wird, solange man sich nur "Milch in die Venen pumpt". Übrigens hatte der Wir sind Helden Produzenten auf Wir brauchen nichts seine Finger im Spiel. Doch ansonsten sind Tele natürlich unabhängige Jungunternehmer, die gemeinsam mit der Band Geschmeido das Mixdiemotions-Studio in Freiburg aufgebaut haben. Mittlerweile lebt und arbeitet man aber in Berlin- wo sonst?

Die Musik ist Song-Contest erprobt. Nette Jungs machen nette Musik. Man kann sich herrlich von den schönen Menschen und den nicht so schönen im Publikum ablenken lassen ohne was zu verpassen. Ein bisschen wie Fernsehen. Tele geht an und spielt dir was und du fühlst dich gut unterhalten. Entspannt, charmant und zum mitsummen geeignet. Die beiden Gitarristen Martin Brombacher und Tobias Rodäbel das Tanzbein schwingen. Betroffenheitslyrik ist scheint Fremdwort für Tele zu sein. Auch das Goethe-Institut haben die Jungs mit ihrer heiteren deutschen Stimmungsmucke überzeugt. So tourten sie durch Afrika. Zurück in Deutschland und blass wie eh und je geht dass touren wieder. Diesmal nicht als Vorband von Wir sind Helden, Juli oder Phoenix, sondern ganz allein. "Oo, Oo Mario" - Tele ohne tubby
"Meine Lieblingsfarbe ist Rot. Rot wie die Liebe.", heißt es in einem Song der neuen Platte. Moment mal. Deutsche Texte und Popmelodien, da war doch was. Ist das hier vielleicht Schlager? Musikantenstadl? Und hat sich auf dem Drehsesel im Gang nicht gerade jemand hin und her gewiegt - ja quasi geschunkelt? Darf man das gut finden? Egal. "Wenn du gehst dann geht ein Teil von mir, das weißt du. Wenn du bleibst dann bleib für immer und einen Tag.", singt gutbürgerlich das Sextett im Chor unterlegt von Achtziger Bass und Synthie-Pop Melodien. Okay bis zum Ende blieb ich und sogar noch eine Zugabe länger aber das reicht. Wer dagegen noch nicht genug von Elektropop hat und Song Contest noch mal Revue passieren lassen will, der darf sein Weggehshirt schon mal weichspülen für Anajo, die Würzbürger, die im Mai nach Leipzig kommen.

Neben mir erklärt jemand die Bestimmungen für Notausgänge. Bei bis zu 199 Leute seien sie nicht Vorschrift und daher auch nicht in der Ilse zu finden. "Bei Feuer sind wir trotzdem tot", prophezeit mein Nachbar. Fatalismus kann so schön sein. Ich frage mich, ob ich für oder bei Tele sterben möchte. Nö! Aber für Katze nächste Woche würde ich es noch mal riskieren.

Tele

30. März 2006, Ilses Erika

www.mixdiemotions.de
www.bbc.co.uk/cbeebies



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