| Drucken09.02.2002 

Orgelkonzert mit Michael Schönheit (Matthias Gries)

09.02.2002 Orgelkonzert mit Michael Schönheit


Ein Trompetenkonzert ohne Trompete

Wer sich an diesem späten Nachmittag auf ?virtuos ? vergnügliche Musik für Trompete und Orgel?, so der Titel des Konzerts, gefreut hatte, wurde enttäuscht, denn der Solotrompeter Falko Schob war leider erkrankt. Trotzdem wurde es ein ausgezeichnetes Konzert, auch wenn nun natürlich nicht mehr das ursprünglich geplante Programm geboten werden konnte. Unter anderem entfielen das bekannte Trompetenkonzert in D-Dur von Telemann und eine sehr interessante Bearbeitung der ?Rhapsody in Blue? von George Gershwin für Trompete und Orgel. Aber auch die im Programmheft angekündigten solistischen Orgelwerke wurden herausgenommen, so z. B. Johann Kuhnaus ?Der Streit zwischen David und Goliath? aus den Biblischen Sonaten und Charles Ives? ?Variations on a National Hymn (America)?. Man wollte sich scheinbar die Option offenhalten, das gesamte Konzert später noch einmal anzusetzen. Die Zuhörer erwartete als Ersatz eine Orgelstunde, die nun so gar nichts mehr mit den noch kurz vor Beginn gehegten Vorstellungen zu tun hatte; denn gespielt wurden Werke von Bach, Mendelssohn und Brahms.

Michael Schönheit führte die Besucher mit der Fantasie und Fuge g?Moll BWV 542 von Johann Sebastian Bach in das Konzert ein, einem Werk also, welches in seiner Wuchtigkeit einen guten Anfang bildete. Man fühlte sich sofort mitten im Geschehen. Nachdem man auf diese Weise Gelegenheit gehabt hatte, die Kraft der Gewandhaus-Orgel zu bestaunen, ging es recht konträr mit Bachs ruhiger und sehr besinnlicher Choralbearbeitung ?Schmücke dich, o liebe Seele? (BWV 654) weiter, die der Organist gefühlvoll und emotional spielte. Dadurch wurde man nach dem virtuosen Anfang erst einmal wieder beruhigt und konnte sich, derartig ausgeglichen, auf die Orgelsonate D-Dur op. 65 Nr. 5 von Felix Mendelssohn Bartholdy freuen. Bei diesem Stück stach vor allem der von Schönheit wunderbar gespielte ruhige Mittelsatz (?Andante con moto?) mit seinem leise pochenden Bass hervor. Der dritte Satz gab der Sonate einen virtuosen Abschluss.

Als nächstes wurden drei der elf Choralvorspiele op. 122 von Johannes Brahms vorgestellt, welche die Orgelstunde gut abrundeten. Das eigentlich letzte Werk, die Sonate f?Moll op. 65 Nr.1 über den Choral ?Was mein Gott will, das g?scheh allzeit?, wiederum von Felix Mendelssohn Bartholdy, war der Höhepunkt des Abends. Gekonnt setzte Michael Schönheit den Wechsel zwischen dem ruhigen Choral und der impulsiven Bearbeitung um. Dieses Wechselspiel, vor allem im ersten und dritten Satz, stellte der Organist hervorragend dar. Während des vierten Satzes (?Allegro assai vivace?) brachte er die Orgel förmlich zum Beben, so virtuos und kraftvoll spielte er. Nicht zu Unrecht erhielt er dafür viel Applaus, wodurch er sich zu einer Zugabe überreden ließ. Diese hatte es in sich. Ob es nun an den relativ warmen Temperaturen der letzten Tage lag oder nicht, jedenfalls improvisierte Schönheit über ein Lied, das zwar jeder kennt, das in diesem Moment aber sicherlich keiner als Zugabe erwartet hatte, nämlich über das Volkslied ?Nun will der Lenz uns grüßen?. Dabei ?zog er alle Register?, holte alles aus dem Instrument heraus und zeigte noch einmal sein beeindruckendes Können. Mit starkem Beifall und lauten Bravo?Rufen endete diese Orgelstunde.


(Matthias Gries)

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