Steffen Lehmann | Drucken29.11.2002 

Die normative Kraft der guten Nachrichten

Pressekonferenz zu „Strings of Fire 3” und zur Gründung der German Philharmonic Big Band

Einsparungen bei der euro-scene, Kürzungen im Etat des Literarischen Herbstes, Fragen nach dem Sinn von Vielfalt kultureller Angebote. Man kann nicht gerade sagen, dass gute Nachrichten aus der Kulturszene derzeit Konjunktur hätten. Diesen Umstand wenigstens ein wenig zu lindern, lieferte das Gewandhaus gestern gleich zwei auf einen Streich.

Wie schon vermeldet wurde, hat sich jüngst am Gewandhaus die German Philharmonic Big Band gegründet. Am 15. Februar wird das neue Ensemble sein erstes Konzert im Gewandhaus geben. Bereits jetzt sind über 800 Karten verkauft. Der Nerv des Publikums scheint getroffen worden zu sein. Die Initiative zur Gründung ging von Musikern des Gewandhausorchesters und Orchestermanager Frank Schneider aus. Schneider hat selbst mehrere Jahre mit der WDR Big Band und der RIAS Big Band, den bedeutendsten Ensembles ihrer Art in Deutschland, zusammengearbeitet. Nun soll man nicht auf den Gedanken kommen, die Musiker seien nicht ausgelastet. Die Projekte der Big Band werden außerhalb der Gewandhaus-Verpflichtungen und fast ohne Honorar realisiert. "Die Motivation der Musiker ist groß, bei der Big Band mitzuwirken", sagt Schneider.

Der Ansturm der Musiker und Musikerinnen war so groß, dass alle gar nicht aufgenommen werden konnten. In der Big Band werden aber auch Musiker aus anderen Leipziger Formationen, auch dem MDR Sinfonieorchester, zu erleben sein. Die Big Band versteht sich deshalb nicht als Konkurrenz, sondern als Klammer, sagt Gewandhausdirektor Andreas Schulz. Geleitet wird das Ensemble von dem Leipziger Eberhard Weise, lange Jahre beim Rundfunktanzorchester Leipzig. Für das erste Konzert verspricht er eine Mischung aus Swing, Latin und rockigen Sachen! Solisten werden der Posaunist Jiggs Whigman und die Sängerin Sabine Helmbold sein.

Nach der Premiere der German Philharmonic Big Band gibt es im Februar mit der dritten Auflage des Festivals "Strings of Fire" einen weiteren Höhepunkt im Kalender. Die dritte Ausgabe steht ganz im Zeichen des 10. Todestages von Frank Zappa. Das ein thematischer Schwerpunkt gesetzt wurde, ist neu, bot sich aber an. Allerdings muss überlegt werden, ob es jedes Jahr möglich ist, meint der künstlerische Leiter Hendrik Haubold. An der Idee des Werkstattcharakters, der Möglichkeit des Experimentierens will er festhalten. Im kommenden Jahr werden die Crossover-Fans erstmals auch den Großen Saal des Gewandhauses erobern. Die Grandmothers (Mothers of Invention), Zappas legendäre Begleitband, werden mit den Dresdnern Sinfonikern einen Abend bestreiten, der außergewöhnlich zu werden verspricht. Eigens für diesen Abend wird ein Programm zusammengestellt, um den Meister gebührend zu würdigen.

Aber auch die anderen Gäste müssen sich nicht verstecken. Aus Holland reist der Cellovirtuose Ernst Reijsiger an, der zusammen mit Mola Sylla aus dem Senegal einen Abend bestreiten wird. Aus New York werden die Ahn Schwestern erwartet, die nur nach dem Aussehen etwas mit Vanessa May zu tun haben. Haubold verspricht die Europapremiere der neuen CD, die im Dezember in den USA erscheinen wird. Das "Strings of Fire-Ensemble" mit Musikern aus Ungarn, Russland und Bulgarien wird Zappa zu einer Reise auf den Balkan einladen. Aus Leipzig werden das Leipziger Streichquartett und der Pianist Stephan König dabei sein. Als absoluter Geheimtipp gilt aber das Fleshquartet, die zusammen mit Goran Kajfeš an der Trompete auftreten werden. Bislang kaum bekannt, sollen sie das Finale bestreiten und den Mendelssohn-Saal zum Kochen bringen.

Pressekonferenz zu "Strings of Fire 3" und zur Gründung der German Philharmonic Big Band

29.11.2002


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