Steffen Lehmann | Drucken17.01.2002 

Riccardo Chailly wird 2005 neuer Gewandhauskapellmeister

Italienische Grandezza auf beiden Seiten des Augustusplatzes

Was nach dem beeindruckenden und mitreißenden Konzert am 13. Dezember bereits als Vermutung durch den überschaubaren Leipziger Blätterwald rauschte, hat sich nun bestätigt: Das überraschend in die Gewandhaussaison eingeschobene Gastspiel des italienischen Dirigenten Riccardo Chailly war die Vorstellung des neuen Gewandhauskapellmeisters, der ab der Saison 2005/06 die Nachfolge Herbert Blomstedts am Pult des Leipziger Renommierorchesters antreten wird.

Gleichzeitig soll Chailly - und das ist das eigentlich Beachtenswerte - auch zum Generalmusikdirektor der Oper Leipzig berufen werden. Damit wird endlich diese Vakanz und die Zeit der Provisorien beendet sein, die schon in der Ära Zimmermann ihren Anfang genommen hatte. Und Riccardo Chailly ist für diesen Posten geradezu prädestiniert, kann er doch auf eine erfolgreiche Karriere als Operndirigent zurückblicken.
Der in Mailand geborene Chailly begann seine musikalische Laufbahn als Assistent von Claudio Abbado an der Mailänder Oper, wo er 1978 sein Debüt gab. Auf Einladung Herbert von Karajans eröffnete Chailly 1984 die Salzburger Festspiele. Von 1982 bis 1989 war er Chefdirigent des Radiosinfonieorchesters Berlin (heute Deutsches Sinfonieorchester Berlin), den Londonern Philharmonikern zwischen 1982 und 1985 als ständiger Gastdirigent verbunden. Im Jahr 1988 übernahm er das Königliche Concertgebouworkest in Amsterdam und gründete schließlich im September 1999 das Orchestra Sinfonica di Milano Guiseppe Verdi, dessen künstlerischer Leiter er bis heute ist. Nicht nur an so bedeutende Opernhäusern wie La Scala Milano, die Bayrische Staatsoper München, die Wiener Staatsoper, die Metropolitan Opera New York und nach Covent Garden London führte ihn seine Arbeit, sondern auch zu den großen amerikanischen Orchestern, den Berliner und den Wiener Philharmonikern.

Mit Blick auf Chaillys Vita und in Kenntnis dessen, dass auch das Concertgebouworkest um dessen Gunst geworben hatte, ist seine Entscheidung für Leipzig wirklich bemerkenswert. Mit ihm gewinnt das Gewandhausorchester, das bereits einmal in Salzburg unter ihm spielte, einen außerordentlich vielseitigen Dirigenten. Einen Dirigenten, der mit dem sinfonischen Repertoire des 19. Jahrhunderts vertraut ist und für den das 20. Jahrhundert ebenfalls kein unbekanntes Terrain bedeutet. Auch im Hinblick auf Riccardo Chaillys Alter, er ist Jahrgang 1953, könnte seine Berufung der Beginn einer wunderbaren, langen und kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen Orchester und Dirigent sein.

Nach den Querelen um die Einsparungen im Leipziger Kulturetat ist den Granden der lokalen Kulturszene mit der Berufung Chaillys zum Gewandhauskapellmeister ein regelrechter Befreiungsschlag geglückt, der die Aufmerksamkeit nach längerer Zeit wieder mal auf positive Ereignisse lenkt. Das halbvolle Gewandhaus bei Riccardo Chaillys Leipziger Premiere im Dezember dürfte jedenfalls eine Ausnahmeerscheinung bleiben

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