Stefan Rosmer | Drucken11.05.2003 

Klassisch romantisch nostalgisch

Das Leipziger Klavierquartett spielt Werke von Richard Strauss und Hans Sommer zum Sonderkonzert der Ausstellung "100 Jahre GEMA"

Anlässlich einer Ausstellung, die das Hans-Sommer-Archiv Berlin gemeinsam mit dem Gewandhaus vom 12. Mai bis 1. Juni zeigt, brachte das Leipziger Klavierquartett im Mendelssohn-Saal ein Programm mit Werken der GEMA-Gründungsväter zur Aufführung. Das Ensemble hatte sich dabei auf Entdeckungsreise gemacht und spielte zwei selten aufgeführte Werke. Hans Sommers Klavierquartett - der Komponist dürfte den meisten, wenn überhaupt, als Lied- und Opernkomponist bekannt sein - erlebte seine Uraufführung erst 2001 und auch Strauss' Klavierquartett von 1885 zählt nicht zu den Repertoire-Klassikern.

Also ein spannendes Programm, kam doch bisher Ungehörtes zur Aufführung. Andererseits bot gerade Sommers Werk - zumindest für den Hörer des Jahres 2003 - wenig Neues oder Überraschendes. Seine Tonsprache klingt einem gänzlich vertraut in den Ohren. Zwar entstand das Stück 1865, also in unmittelbarer Nähe zu den Klavierquartetten op. 25 und 26 von Johannes Brahms, sein Stil steht aber vor allem in deutlicher Nähe zu Beethoven. Die Behandlung der Streichinstrumente lässt immer wieder an dessen späte Streichquartette denken und die solistischen Stellen des Klaviers, z. B. der Beginn des zweiten Satzes, wecken immer wieder Assoziationen an Beethovens Sonatenschaffen. Das Stück zeichnet sich mitunter aber auch durch einen sehr elegischen und schwärmerischen, "romantischen" Ton aus. Äußerst auffällig sind kontrapunktisch gestaltete Passagen, die immer wieder in eine vollstimmige Akkordik oder in ein Unisono münden. Man wird, sofern einem dieses Urteil beim ersten Hören zusteht, Sommers Klavierquartett wohl kaum ein besonders innovatives Werk nennen können, aber seine Mittel beherrscht er souverän und bringt sie mit großem Klangreiz zur Wirkung, wie der große Applaus vor der Pause beweist.

Im zweiten Teil folgte das Werk des ungleich bekannteren Komponisten. Auch das viersätzige Klavierquartett op. 13 von Strauss steht noch deutlich in der klassisch-romantischen Tradition und orientiert sich an den gewohnten Formen. Und doch ist es ein sehr einfallsreiches Stück, dem es immer wieder gelingt, mit unvermuteten Kontrasten zu überraschen. Trotz zahlreicher Stimmungswechsel geht aber dem einundzwanzigjährigen Strauss der Zusammenhang des Ganzen nie verloren.

Die Musiker des Leipziger Klavierquartetts musizierten mit großer Spielfreude. Ihre Interpretation der beiden Werke war durchweg stimmig, der Ensembleklang sehr homogen. René Bogners sehr helles und brillantes Violinspiel schwebte immer wieder deutlich über Matthias Weises und Christian Erbens zurückhaltendem Spiel. Sowohl Bratsche und Cello bewiesen an den entscheidenden Stellen immer eine große Präsenz und überzeugten durch große Klangschönheit. Nicht weniger bemerkenswert war Stefan Burkhardt am Klavier, der ebenfalls die richtige, den Stücken entsprechende Balance zwischen homogenem Ensemblespiel und brillantem solistisch hervortretendem Musizieren fand. Zurecht bedankte sich dass Publikum im leider nur halb gefüllten Saal dafür mit großem Schlussapplaus.

Die Ausstellung über Hans Sommer, Richard Strauss und die GEMA, die noch bis 1. Juni im Gewandhaus-Foyer zu sehen ist, lohnt allemal einen Besuch. Man sollte sich allerdings etwas Zeit nehmen, wenn man die Ausstellung in Ruhe und genau ansehen möchte. Eine Hälfte widmet sich vor allem der Person Hans Sommers und seiner freundschaftlichen Beziehung zu Richard Strauss. Die andere Hälfte zeigt auf sehr übersichtlich gestalteten Schautafeln die Entwicklung des musikalischen Urheberrechtsschutzes im Prinzip vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart nach und erläutert die Entstehung der GEMA und ihrer Vorläufer- und Konkurrenzorganisationen. Zahlreiche originale Briefe, Telegramme, Fotos und Drucke aus dem Hans-Sommer-Archiv Berlin und dem Richard Strauss Archiv Garmisch-Partenkirchen ergänzen und illustrieren die Ausführungen auf den Schautafeln. Die Texte sind knapp gehalten und dennoch sehr informativ, so dass ein interessanter Einblick in die zwar omnipräsente, gleichwohl aber wenig beachtete ökonomische Seite des Musikbetriebs ermöglicht wird.

Sonderkonzert zur Ausstellung: 100 Jahre GEMA - Richard Strauss und Hans Sommer

Hans Sommer: Klavierquartett g-moll
Richard Strauss: Klavierquartett c-moll op. 13

Leipziger Klavierquartett

11.05.2003, Gewandhaus, Mendelssohn-Saal

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