Franziska Hilde Frank | Drucken03.11.2010 

„I’m not a superstar, I’m an HipHop artist“

TY berichtet im Conne Island, warum die Zeiten für HipHop schwer sind

"We can do, what we want“: TY (Foto: tymusic)

Unter dem Deckmantel des Humors erteilte TY letzten Mittwoch auf seinem Konzert im Conne Island kritische Lektionen. Im April diesen Jahres erschien sein viertes Album A Special Kind Of Fool (BBE Records/ London) in England – und bisher nur dort. Die Veröffentlichung des Albums in Deutschland ist fraglich, gekommen war TY trotzdem: „We are strugglin’ but we are proud to be here.“ Die Zeiten für HipHop in England sind schwer. In Deutschland ist das nicht anders.

Für die Vorrunde hatte Ben Chijioke alias TY seinen Kumpel Blitz The Ambassador (Brooklyn/NYC, Ghana) im Gepäck. Und weil eine Live-Band glücklicherweise auch zu Rap passt (siehe Kinderzimmer Productions, Curse oder Gentleman) wurde dieser von einer adretten beschlipsten und bekragten fünfköpfigen Kapelle an Schlagzeug, Bass und Blech begleitet. So hörten wir jazzige wie klassische Beatz zu Rap auf Blitz’ Muttersprache Akan, lernten das Wort Akwaaba („Willkommen“) und erlebten seine ghanaische Trommel. Wie später TY, suchte auch er den Kontakt zum Publikum, stellte sich nach seinem Auftritt sogar nach unten, um diesem zuzuhören. Ansage: „Free your mind.“

TY legte los, es gab was auf die Ohren, aber anders. Entgegen der Ankündigung ohne Live-Band, dafür klassisch one DJ one Mic. Ohne Publikumsscheu schmetterte TY Statement um Statement und machte mit uns einen Exkurs in die allgemeine Musikgeschichte und die Musikpolitik Englands. "We can do, what we want.“ Späße folgten auf alte Songs („I Want 2“, „Wait a Minute“) und neue („Emotions“, „Me“). Wir tanzten zu Nirvana, Queen und 70er-Jahre-Funk, denn „HipHop comes from all of this“. Quod erat demonstrandum. Immer wieder brach TY die Grenze zwischen Zuschauer und Bühne auf, stieg ins Publikum, rannte durch es hindurch, witzelte herum, schüttelte Hände, tanzte mit uns und verarschte seinen DJ und umgekehrt. Liebevoll zog er sogar über MF Doom her, der einige Tage vorher in selber Örtlichkeit zwei Tage in Folge spielte (spielen durfte). Das neue Album flog ins Publikum, ebenso das neue T-Shirt mit der Aufschrift „I ♥ TY“. Ansage: „You have to change the rules sometimes.“

Energetisch. Ungewöhnlich. Sehr sympathisch. Es ist verwunderlich, dass zu so einem Konzert nur 60 Leute kommen. Außerdem glaube ich fest, dass TY nur so tut, als sei er Rapper. In Wahrheit ist er ein Comedian mit DJ auf Mission „Ha Ha“. Schön war’s äh ich meine – es hat gerockt!

TY

27. Oktober 2010, Conne Island


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