Du sollst nicht ohne

DU SOLLST NICHT OHNE deinen gescheckten Delphin kommen!
Wir haben das doch schon x-mal besprochen.
Du kannst nicht als Ritter ohne Reittier
vor deine Königin treten.
Es wirkt lächerlich, wenn du zu Fuß
mit den Sporen rasselst.
Da irrst du dich,
wenn du meinst, sie hätte nur Augen
für deinen blankpolierten Harnisch und Helm.
Denn wahre Eleganz, mein säumiger Ritter,
das müßtest du doch aus Filmen wissen,
ist ohne den Atem der Meere nicht zu erreichen.
Wie anders bietest du ihr die Muschel dar,
wenn du sie ihr vom Rücken des gescheckten Delphins herab reichst,
statt sie, mit den Füßen scharrend,
verlegen aus deinem Hosenbund vorzuzerren.
Das Ständchen magst du dir schenken.
Im schnöden Gelächter des Hofes
wird es niemand vernehmen.
Und die Königin, einer versauerten Seekuh gleich,
wendet sich ab.


aus „Neapel ist eine Augenfarbe“
erschienen im Herbst 2002
Verlag msk Hamburg

Thomas Böhme im Poetenladen

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