Ein besonderer Akzent zum Bachfest Leipzig 2026

Foto: Knut Müller

Wer im Vorfeld von einer Aufführung des Dresdner „Ensembles vokal modern“ unter der Leitung von Christfried Brödel erfährt, weiß zumeist: Hier bieten die 16 professionell ausgebildeten Sängerinnen und Sänger reizvoll-überraschende Musik auf sehr hohem Niveau. Wie allerdings die weltbekannten Werke von Johann Sebastian Bach mit gleich vier Uraufführungen von Komponisten aus dem mitteldeutschen Raum zu einer übergreifenden Einheit innerhalb eines Konzerts verschmelzen können, erschien beinahe unvorstellbar. So mögen wohl manche der zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörer am 12. Juni 2026 in der akustisch hervorragend geeigneten Evangelisch Reformierten Kirche von Leipzig gedacht haben.

Bereits mit neuartig erscheinenden Klängen begann die Musik, obwohl sie doch vor fast 300 Jahren entstand. Christfried Brödel hatte drei überzeitlich wirkende Stücke aus dem instrumentalen Spätwerk Bachs, der „Kunst der Fuge“, BWV 1080, ausgewählt und selbst für sein Ensemble bearbeitet, um frappierend direkte Bezüge zu den zeitgenössischen Kompositionen zu schaffen. Da diese Bach-Werke ohne Text vorliegen, gestalteten die Mitwirkenden die gegenwartsnah empfindbar eingefügten Worte „SOLI DEO GLORIA“ / “VENI SANCTE SPIRITUS“ / “DONA NOBIS PACEM“ (dt. Ehre gebührt Gott allein /  Komm, Heiliger Geist / Verleih uns Frieden) mit herrlicher farblicher Ausdruckskraft in den Rahmenteilen sowie zwischendurch neben Chorälen aus den Motetten BWV 226, 227 sowie dem choralgebundenen Orgelwerk BWV 668.

Foto: Christoph Sramek

Als kurz vor Schluss die klangmächtigen „Bach-Vokalisen“ des Hallenser Komponisten Thomas Buchholz zu hören waren, ergab sich dadurch hierzu ein erstaunlich organischer Bogen. Einfacher noch leuchtete die Verwandtschaft zum ausführlichen Stück des Leipzigers Christian FP Kram. Wie schon sein Werktitel „Jesu, meine Freude – Reflexionen zu J. S. Bachs BWV 227“ hervorhob, verzahnte er deutlich erkennbare Choralzeilen mit seiner eigenen Musiksprache ohne alle Brüche.

Eher im Kontrast dazu bezog sich der Dresdner Komponist Matthias Drude mit seiner „Widerstandserklärung“ auf die frühe Bachkantate „Widerstehe doch der Sünde“, BWV 54. Hier dient ein gegenwartsnaher poetischer Text der Schriftstellerin Carola Mossbach als Ausgangspunkt. Wie die anderen vertonten Worte wurde auch dieser Text im erfreulich aufschlussreichen Programmheft von Bernd Heyder abgedruckt.

Bachs unverkennbarer Botschaft am nächsten kam schließlich Thomas Stöß mit seiner ebenfalls in Latein gehaltenen Vertonung von Psalm 8 „DOMINE, DOMINUS NOSTER“ (dt. Herr, unser Herrscher), bekanntlich aus dem Alten Testament der Bibel. Unweit anderer Werke seines Gesamtschaffens traf der Chemnitzer Komponist auch hier eine eigene Dimension der Musik, die generell an Bachs Schaffen erinnert und gleichfalls tief berührt.

Kaum enden wollender Beifall am Schluss ließ erkennen, dass dieses Experiment „Im Dialog“ außerordentlich geglückt ist und offenbar vielen Anwesenden zu Herzen ging.

Der Festival-Jahrgang 2026: Im Dialog | Bach-Archiv Leipzig

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